Zschopau-Mulde-Fahrt

Geschichte |  Strecke |  Wettkampf |  Städte

Die frühen Jahre - 1962

Die ersten, noch auffindbaren Fotos stammen von der 2. ZMF 1962. Wie links zu sehen ist, wurden die Boote unterhalb des Wehres am Kreuzfelsen in Waldheim aufgebaut.
In den Jahren 1961 bis 1968 wurden die Zschopau-Mulde-Fahrten vom Kreis-Fachausschuss Kanu in Bitterfeld organisiert. Bitterfeld war der Zielort der ZMF, standen doch von Karfreitag bis Ostermontag vier freie Tage zur Verfügung. Die Chronik weist für 1962 bereits 168 Teilnehmer von 17 Sektionen aus.

Bootsaufbau in Waldheim

Manfred Brader übt eine akrobatische Einlage

Auf der Mulde zwischen Leisnig und Grimma

Turnhalle anno 1962 - wie sich die Bilder gleichen!

1963

Die ZMF platzt aus den Nähten - 234 Teilnehmer werden registriert.
Dass die Überwindung eines Wehres mit dem Faltboot beschwerlich ist, zeigen die folgenden Fotodokumente.
"Wehrport", wie ihn Kanuten verstehen, setzt sich bis heute aus drei Disziplinen zusammen: Treideln - Umtragen - Fahren.


Kurt Nieder fängt ein Boot

Schwieriges Umtragen

Am Fischendorfer Wehr in Leisnig

1967

Dass von den 183 Teilnehmern der 7. ZMF ein Sportfreund niemals das Ziel erreichen würde, ahnen diese Kanuten nicht. Am vierten Wehr unterhalb Waldheims ereignete sich 1967 ein tödlicher Unfall. Die Fahrt wurde daraufhin in Leisnig abgebrochen.


Dem Kameraden zum Gedenken und allen Teilnehmern der Zschopau-Mulde-Fahrt zur Mahnung

1970

Zum zweiten Mal wird die Fahrt von Dresden aus organisiert. Sportler der SG Dynamo Zentral Dresden übernahmen die Organisation vom Kreisfachausschuss Kanu in Bitterfeld.
Und immer mehr junge Sportfreunde sind dabei.


Eröffnung der 10. ZMF

Am vierten Wehr hinter Waldheim

Manches Ereignis wird zur Legende: Am Ostersonntag 1970 fanden die Sportfreunde ihre Boote unter einer 15 cm starken Neuschneedecke wieder. Winterfahrten waren damals noch nicht so normal wie heute, trotzdem fuhr man eisern bis Wurzen.


Kalte Überraschung

Nur Mut!

Schwieriges Einsetzen

Da macht das Umtragen Spaß

Die ZMF bis heute

Die wenigen erhaltenen Bilder zeigen das erste Jahrzehnt der ZMF als reine Wanderfahrt überwiegend erwachsener Teilnehmer. Das Faltboot dominierte die Fahrt bis weit in die Siebziger Jahre. Hierin liegt sicher auch ein Grund für die große Beliebtheit der ZMF, boten doch Zschopau und Mulde leichtes Wildwasser, das auch mit Faltbooten gemeistert werden konnte. Außerdem hatten alle Etappenorte Eisenbahn-Anschluss, Waldheim war sogar D-Zug-Station.
Die Teenagerzeit der ZMF bescherte der Fahrt wie im Leben eines jeden Menschen die prägenden Einflüsse: Zunehmend wurde die Veranstaltung von Jugendlichen besucht. Sportliche Elemente wie der 1972 erstmals durchgeführte Slalom in Grimma und das Zeitfahren ab 1974 verstärkten die offizielle Anerkennung der ZMF. Außerdem begannen die damaligen Fahrtenleiter, die Tradition der ZMF zu kultivieren. Jeder Starter bekam bis in die Achtziger Jahre eine Teilnehmerkarte, die jährlich abgestempelt wurde. Hatte man die ZMF fünf Mal absolviert, wurde dann das Osterfahrt-Abzeichen in Rot verliehen.
Neben der Organisation und Durchführung der Wettkämpfe meisterten die Fahrtenleiter auch andere handfeste Probleme. An die 400 Teilnehmer mussten untergebracht und möglichst auch verpflegt werden. 1975 wurde in Waldheim sogar eine Kegelbahn als Schlafplatz genutzt, da die Turnhallen nicht ausreichten. Allein in Leisnig wurden bis zu drei Turnhallen und zwei Schulen belegt. Besonderes übel war es um die sanitären Einrichtungen der Turnhallen bestellt. Unvergessen ist der Passus der Ausschreibung "Die Kanuten werden gebeten, ihre Notdurft außerhalb der Etappenorte zu verrichten."
In Waldheim und Leisnig zeigte sich die Gastronomie dem Ansturm Hunderter Kanuten nicht gewachsen. So darf es als organisatorische Glanzleistung gelten, dass alle Teilnehmer nach dem Zeitfahren in Grimma ein warmes Mittagessen erhielten. Wieviel persönlicher Einsatz in der realsozialistischen Zeit notwendig war, das Unmögliche zu bewerkstelligen, kann man heute nur ahnen.
Mit diesen Widrigkeiten waren auch die Grenzen der Fahrt bestimmt. Mehr als 400 Teilnehmer waren logistisch nicht zu bewältigen. Wer sich an der größten Kanu-Wanderfahrt der DDR beteiligen wollte, musste sich deshalb rechtzeitig anmelden. Die Achtziger Jahre begannen mit einem Jubiläum. Die 20. ZMF wurde in Grimma mit einem großartigen spontanen Kulturprogramm der Kanuten gefeiert. Sieghart Herold aus Dresden wurde als Teilnehmer aller zwanzig Fahrten ausgezeichnet. Bis zur 30. ZMF hat er keine Osterfahrt ausgelassen und ist auch heute noch gelegentlich dabei.

Seit dem Ende der Siebziger Jahre veränderte sich das Erscheinungsbild der Kanuten. Spritzjacken leuchteten von nun an orange und die ersten "Plaste"-Boote sorgten für Aufsehen. Gerade beim Slalom waren sie den schnittigen Faltbooten deutlich überlegen. Aber auch so manche, mit Faltbooten zu riskante, Wehrbefahrung ließ sich von nun an wagen.
Organisatorisch lief die ZMF in jener Zeit in gewohnten Bahnen, die Fahrt hatte ihren Stil geprägt. Dennoch drohte den Ausrichtern der ZMF so manches Ungemach, wie zum Beispiel 1984, als das Kulturhaus in Grimma kurzerhand wegen "dringender Sanierungsarbeiten" - sprich Baufälligkeit - für den Kanutenball gesperrt wurde.
1988 drohte die Fahrt wegen Hochwassers auszufallen. Eine Woche vor Ostern stand in Waldheim der Sattelplatz an der Mühle teilweise unter Wasser.
Zu jener Zeit vollzog sich ein Generationswechsel in der Fahrtenleitung. Die Sportfreunde der SG Dynamo Zentral Dresden, die in den Siebziger und Achtziger Jahren die ZMF entwickelten und prägten, zogen sich allmählich zurück und übertrugen jüngeren Sportlern die Verantwortung. Die kurz darauf einsetzenden politischen Veränderungen bedeuteten in vielerlei Hinsicht einen Neuanfang für die ZMF, die 1990 schon zum 30. Mal durchgeführt wurde.
Plötzlich war fast alles anders. Sportfreunde, die der ZMF jahrelang verbunden waren, machten sich auf den Weg zu den neuen Ufern der Ardeche oder anderer attraktiver Flüsse in Westdeutschland und Österreich. Mancher wandte sich ganz neuen Hobbys zu. Andererseits kamen nun auch Kanusportler aus westlichen Bundesländern an die Zschopau.
Die größte Unsicherheit für die Organisatoren war derzeit die zu erwartende Teilnehmerzahl, die ja die Grundlage aller Kalkulationen bildete. Glücklicherweise hat sich das Interesse an Fahrt schnell wieder stabilisiert. Um die 120 Kanuten kamen in den Neunzigern jährlich zur ZMF. Um die Startgelder nicht in unfreundliche Höhen anschwellen zu lassen, mussten einige Leistungen der Fahrtenleitung eingestellt werden. So fiel leider auch der Wimpel mit seinen jährlich wechselnden Motiven dieser Notwendigkeit zum Opfer. Anderer Leistungen, wie des Gepäcktransportes oder des garantierten Mittagessens, bedurfte es unter den neuen ökonomischen Vorzeichen nicht mehr.
Erfreulicherweise haben die beteiligten Kommunen ihr Engagement für die Fahrt beibehalten oder, wie in Waldheim, sogar verstärkt. Auf Wunsch der Kanuten wurden der Slalom und das Zeitfahren als traditionelle Elemente der Fahrt reaktiviert.
So hat die ZMF über die Jahrzehnte ihre charakteristischen Züge beibehalten können. Dank der in der Chronik aufgeführten Fahrtenleiter und ihrer Helfer ist die Zschopau-Mulde-Fahrt der Ostertreff der Freunde leichten Wildwassers, der Faltboote, der Jugend und der Traditionalisten geblieben. (1999)

Statistik

JahrFahrtenleiterTeil-
nehmer
Sektionen
Vereine
Erinnerungswerte Erlebnisse
1961Rudi Raab110 Fahrt geht in vier Etappen von Waldheim über Leisnig, Grimma und Eilenburg nach Bitterfeld
1962Rudi Raab16817Erster touristischer Wettkampf (Orientierung, Kartenkunde, Binnenwasserstraßen-Verkehrsordnung, Zeitfahren, Erste Hilfe)
10 Rostocker Kanuten verpassen in Waldheim den Gepäck-LKW und fahren die erste Etappe mit vollem Gepäck
1963Rudi Raab234  
1964Rudi Raab  Von einer Erweiterung der Fahrt ab Flöha wird abgesehen, die Organisation einer Weiterfahrt von Bitterfeld nach Dessau (weitere 49 km) wird bei Bedarf angeboten
1965Ralf Schumann   
1966Ralf Schumann   
1967Ralf Schumann183 Tödlicher Unfall, Abbruch der Fahrt in Leisnig
1968Peter Bahmann  Abschaffung des Ostermontags als Feiertag, die ZMF endet in Wurzen
1969Manfred Brader11721Die SG Dynamo Zentral Dresden übernimmt die Organisation der ZMF
1970Manfred Brader1892915 cm Neuschnee in Grimma
1971Bernd Mühlenberg17827 
1972Manfred Brader219321. Touristischer Wettkampf mit Slalom in Grimma
1973Manfred Brader24832Einführung des Osterfahrtabzeichens und der Teilnehmerkarte
1974Manfred Brader24930Ab 1974 Slalom in Waldheim, Zeitfahren Leisnig - Grimma 24 km
1975Kurt Nieder28835Teilnahme von 10 polnischen Sportfreunden, Zeitfahren mit Schneeschauern
1976Bernd Kegel30835Immer mehr jugendliche Sportfreunde kommen zur ZMF
1977Kurt Nieder34036Bereits 275 Sportfreunde übernachteten in Waldheim, lebensgefährliche Kenterung eines Wolgaster Sportfreundes in Grimma, Rettung durch Greifswalder Kanuten
1978Bernd Mühlenberg34638 
1979Bernd Kegel

347

45Bester Wasserstand seit Bestehen der Fahrt
1980Kurt Nieder3864520. ZMF; Fahrt in den Frühling, Grün-Donnerstag noch 5 cm Schnee, 48 Kenterungen, die erste ZMF-Broschüre erscheint
1981Bernd Mühlenberg392

42

Sehr kaltes Wetter
1982Bernd Kegel36841Durch den Ausbruch einer Tierseuche im Bezirk Rostock können ca. 30 gemeldete Sportler nicht anreisen
1983Kurt Nieder36342Kaltes und unfreundliches Wetter
1984Bernd Mühlenberg40147Sehr warm, viele Teilnehmer fahren mit kurzem Sportzeug nach Grimma
1985Bernd Kegel4115325. ZMF, den Organisatoren liegen 600 Meldungen vor, nach Dezember-Hochwasser 1984 teilweise veränderter Flusslauf vor Grimma, die zweite ZMF-Broschüre erscheint
1986Ralf Prenger40049 
1987Kurt Nieder47048 
1988Bernd Mühlenberg38144Wegen akuter Hochwassergefahr droht die Fahrt auszufallen
1989Ralf Prenger38442 
1990Kurt Nieder28034Erste gesamtdeutsche Fahrt
1991Ralf Prenger15024Rückgang der Teilnehmerzahl
1992Thomas Leuthold7514 
1993Ralf Prenger5110Leisnig ist erstmals nicht Etappenort, Übernachtung im Kanuheim Westewitz
1994Wolfgang Starke8313Wieder traditionelle Übernachtung in Leisnig
1995Wolfgang Starke8013 
1996Wolfgang Starke8114Lange Umtragestrecken durch reaktivierte Wasserkraftwerke
1997Wolfgang Starke11417Außergewöhnlich starker Gegenwind auf der ersten Etappe
1998Wolfgang Starke11015 
1999Sylvia Hirche11215Der Slalom findet nicht wie gewohnt am Waldheimer Rathaus statt
2000Sylvia Hirche160 40. ZMF, die dritte ZMF-Broschüre erscheint, Hitzewelle mit Tagestemperaturen um 30 Grad
2001Sylvia Hirche86 Durch Kraftwerksbetrieb sehr wenig Wasser an den Wehren, eisiger Wind, Tagestemperaturen knapp über null Grad, Schneeschauer, die letzte Etappe nach Wurzen fährt die Fahrtenleiterin mit nur einem Teilnehmer
2002Sylvia Hirche  Letztmalig Slalom in Waldheim, der KC Elbe 46 gibt nach 34 Fahrten die Organisation ab, Nachfolge ungewiss
2003Hans-Peter Eiche  Übernahme der Organisation durch den Sächsischen Kanuverband.
Nach dem Jahrhunderthochwasser ist die Zschopau teilweise unbefahrbar. Statt in Grimma wird in Nimbschen übernachtet.
2004Hans-Peter Eiche  Auf eine Befahrung der Zschopau wird erneut verzichtet, Start am neu erbauten Kanuheim Westewitz. Übernachtung in Leisnig und Nimbschen.
2005Thomas Katzschmann  Die SG Kanu Leisnig übernimmt die Organisation der ZMF. Alle Übernachtungen in Leisnig.
2006Thomas Katzschmann  Erstmalig wird das nach dem Hochwasser neu erbaute Leisniger Bootshaus als Stützpunkt für die ZMF genutzt.
2007Thomas Katzschmann  Steffen Blech, Waldheims Bürgermeister fährt im Zweier die erste Etappe.
2008Thomas Katzschmann  Start zur letzten Etappe mit verschneiten Booten
2009Thomas Katzschmann  Erneute Teilnahme des Waldheimer Bürgermeisters, rekordverdächtiger Wasserstand
2010Thomas Katzschmann76 Jubiläumsfahrt, Kanutenball in Leisnig

spierentonne.de - über das Leben am, im und auf dem Wasser   ©Roland Stelzer    Impressum