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Bürgerinitiative
Ortsumgehung Nieder Neuendorf

Zeitungs-Echo

Oranienburger Generalanzeiger, 26.09.2014

Umgehung vom Tisch

Presseartikel (615 kB)

Märkische Allgemeine Zeitung, 14.09.2014

Aus für die Umgehungsstraße

Presseartikel (104 kB)

Märkische Allgemeine Zeitung, 20.07.2013

400 Autos pro Stunde

Bürgerinitiative "Ortsumgehung Nieder Neuendorf" willl verkehrsberuhigende Maßnahmen / Verwaltung widerspricht

Von Marco Paetzel
Nieder Neuendorf - Morgens um halb fünf ist die Nacht vorbei. Dann steht Doris Bürth auf, um alle Fenster zu verrammeln. "Der Lärm von der Straße wird dan unerträglich", sagt die 74-Jährige. Seit 14 Jahren wohnt sie in Nieder Neuendorf, kurz vor der Grenze zu Spandau. Und das mit dem Lärm, sagt die alte Dame, wird schlimmer. Statistisch gesehen fahren in der Stunde rund 400 Autos am Haus von Doris Bürth vorbei. Früher konnte sie abends auf der Dachterrasse sitzen. Das ist vorbei. "Viele geben auch noch richtig Gas, da kann ich die Terrasse vergessen", sagt Bürth.
Als die Bürgerinitiative "Ortsumgehung Nieder Neuendorf" (BON) vor zwölf Jahren mit rund 65 Haushalten gegründet wurde, trat Doris Bürth sofort bei. Ursprünglich wollten die Bürger die geplante Ortsumfahrung verhindern, sie treten aber auch für weniger Verkehr in Nieder Neuendorf ein. Die Mitglieder der Initiative hatten gehofft, dass der Abschnitt zwischen Imkerweg und und Waldmeisterstraße in die Zweite Stufe des Lärmaktionsplanes aufgenommen wird. Als belastet gelten demnach alle Straßen, über die pro Jahr mehr als drei Millionen Kraftfahrzeuge rollen, am Tag sind das rund 8200 Autos und Motorräder.
Doch im ersten Entwurf des Planes, der im Frühjahr öfffentlich auslag, waren für die betroffene Strecke nur 8200 Kraftfahrzeuge ausgezeichnet.
"Die tatsächlichen Werte lagen aber bei 9520 Kraftfahrzeugen pro Tag", sagt Thomas Jahn, Vorstandsmitglied bei BON.

Mittlerweile ist der Fehler korrigiert, der Entwurf des Lärmaktionsplanes überarbeitet. Dennoch: Auf verkehrsberuhigende Maßnahmen können die Anwohner noch immer nicht hoffen. Daniel Stenger vom Fachdienst Stadtplanung in der Stadtverwaltung verweist darauf, dass schlicht die Auslösewerte - also Lärmgrenzen - von 65 Dezibel tagsüber und 55 Dezibel in der Nacht nicht überschritten werden. "Der Bereich Waldmeisterstraße bis Imkerweg kann deshalb nicht als belastet angesehen werden, also kann es dort auch keine Maßnahmen geben", sagt Stenger.
Thomas Jahn bezweifelt das. "Wir werden im August selbst nochnoch eine Lärmmessung durchführen." Auch der Forderung der BON nach einem generellen Tempo 30 auf der L172 kann die Verwaltung nicht nachkommen, das sei Angelegenheit der Straßenverkehrsbehörde. Auch bei der Sanierung der Straßendecke, eine weitere Forderung der Bürgerinitiative, seien der Stadt die Hände gebunden. "Das ist Sache des Landesbetriebes Straßenwesen. Der Hat uns mitgeteilt, dass dafür derzeit keine Mittel bereit stehen", erklärt Daniel Stenger. Immerhin gebe es mittlerweile mehr Geschwindigkeitskontrollen.
Die Mitglieder von BON wollen keine Ruhe geben. "Wir werden auf die Fraktionen zugehen, die können ja selbst noch mal Stellung zum Plan nehmen und etwas verhindern", sagt Thomas Jahn. Unabhängig vom Lärmaktionsplan wollen die Mitglieder von BON weiter dafür kämpfen, dass es irgendwann ein durchgehendes Tempo 30 und ein LKW-Verbot auf der L172 gibt.

Oranienburger Generalanzeiger, 19.07.2013

Die Krachmacherstraße

Einer Bürgerinitiative ist es in Nieder Neuendorf zu laut, im Aktionsplan taucht der Lärm aber nicht auf
von Roland Becker
Nieder Neuendorf (MZV) - Im zweiten Hennigsdorfer Lärmaktionsplan, der im Herbst beschlossen wird, sind keine Maßnahmen vorgesehen, um den Verkehrslärm in Höhe der Nieder Neuendorfer Siedlung Waldfrüchtchen zu reduzieren. Dagegen protestiert die Bürgerinitiative Ortsumgehung Nieder Neuendorf (BON).

Täglich rauschen rund 10000 Fahrzeuge die Spandauer Allee zwischen Ortseingang und Waldmeisterstraße entlang. Das jedenfalls ist in der Hennigsdorfer Verkehrsentwicklungsplanung von 2010 vermerkt. Ab einem Verkehrsaufkommen von 8200 Fahrzeugen pro Tag muss eine solche Straße im Lärmaktionsplan aufgeführt werden. Als soich aber Vertreter der BON dieses Papier anschauten, vermissten sie eben jene Straße. Daraufhin fragten die Bürgerbewegten im Rathaus und erhielten die Antwort, dass genaue Zahlen nicht auffindbar seien.
Ob, und wenn ja, wie es zu dieser Aussage gekommen ist, kann Stadtplaner Daniel Stenger nicht mehr nachvollziehen. Er räumt aber ein, dass die im Aktionsplan vermerkte Verkehrsbelastung falsch ausgewiesen gewesen sei. "Das wurde richtigerweise bemängelt." Da mittlerweile dieser Streckenabschnitt zwischen Imkerweg und Waldmeisterstraße in den Lärmaktionsplan aufgenommen wurde, könnte man meinen, dass sich das Problem erledigt hat.
Im Rathaus vertritt man auch diese Ansicht. Bei BON allerdings nicht. Deren Vorstandsmitglied Thomas Jahn kritisiert, dass der Abschnitt zwar nun im Lärmaktionsplan enthalten sei, aber keine Maßnahmen zur Lärmminderung vorgesehen sind. "Eigentlich sind dafür alle Kriterien erfüllt", meint er. Dem widerspricht Stadtplaner Stenger. Der durch den Verkehr produzierte Lärm liege unter den Grenzen von 65 Dezibel am Tag und 55 dezibel nachts. Das habe das Landesumweltamt errechnet. Wohlgemerkt nach einer Generalformel errechnet, nicht gemessen. Daher seien auch keine Maßnahmen zur Lärmminderung vorgesehen.
Zwar hat es laut Stenger Verkehrszählungen gegeben. Doch der durch die Autos verursachte Lärm - im Fall der Waldfrüchtchensiedlung wird von 9520 Fahrzeugen ausgegangen - werde landauf landab nach einer feststehenden Formel berechnet. Bei BON herrscht Verärgerung. "Es drängt siich der Verdacht auf", so heißt es in deren Pressemitteilung, "die Stadtverwaltung macht mal wieder gerade so viel, wozu sie sich ohnehin gezwungen fühlt." Die BON-Mitstreiter hingegen fordern gleich ein ganzes Bündel an Maßnahmen:
- Tempo 30 in der gesamten Ortsdurchfahrt
- LKW-Nachtfahrverbot
- Sanierung der schadhaften Fahrbahnen
- Ausweisung des Bereichs zwischend er westlichen Ortskante und und Neuendorfer Heide als sogenanntes ruhiges Gebiet.
Stenger lehnt alle Maßnahmen ab. Sowohl für die Ausweisung einer 30er Zone als auch für ein nächtliches LKW-Verbot bedürfe es der Zustimmung der Unteren Verkehrsbehörde. Beide Maßnahmen seien jedoch in der Vergangenheit abgelehnt worden.
Da es sich um eine Landesstraße handelt, sei die Stadt für deren Sanierung nicht zuständig. Außerdem Außerdem sei die auch nicht unbedingt nötig. "Die Fahrbahn hat zwar das eine oder ander Schlagloch, ist aber noch sehr gut", meint Stenger - und hat in diesem Moment vielleicht vergessen, dass zwischen Imker- und Oberjägerweg mehrere Verkehrszeichen auf Straßenschäden hinweisen.
Die Wiesen zwischen Wohngebiet und Wald las ruhiges Areal - also frei von Verkehr und Industrie - auszuweisen, widerspreche dem Flächennutzungsplan. darin sind sowohl die Trasse für eine Ortsumgehung als auch die der einstigen Spandauer Straßenbahn vermerkt. Stenger geht zwar nicht davon aus, dass auf dei Trassen in den nächsten zehn Jahren für Verkehrsprojekte zurückgegriffen wird- aber: "Wir wollen uns die Option nicht verbauen."
Die Bürgerbeteiligung zum Aktionsplan endet am 5. August.

Hennigsdorfer Generalanzeiger, 09.01.2008

Baugrund wird knapp

Flächen vermarktet / Straßen gebaut: Nieder Neuendorf hat sich entwickelt
Von Mandy Oys HENNIGSDORF o Nur wenige Punkte auf der Liste für Hennigsdorfs grünen Ortsteil sind heute noch offen - im Vergleich zu den Aufgaben, die sich zu Beginn der Entwicklungsmaßnahme Nieder Neuendorf vor mittlerweile zwölf Jahren gestellt hatten. Der Bahnhofsweg wird den versprochenen Endausbau in diesem Jahr bekommen. Der war den Grundstückskäufern vor der Vertragsunterzeichnung zugesagt worden. Zudem steht der Ausbau des letzten Teils des Uferwegs bis zum Bootshaus Papenberge mit dem Epoxidharzbelag Terraway noch an.
Zu den offenen Punkten im Entwicklungsprojekt Nieder Neuendorf gehört dem Verantwortlichen Daniel Stenger zufolge auch die Vermarktung von zwei noch offenen Grundstücken - eines, 530 Quadratmeter groß, für 71 500 Euro. Das Zweite, 3 000 Quadratmeter groß, liegt an der Dorfstraße und soll 292 000 Euro kosten. Hier wurden erst im Herbst Lauben abgerissen und beräumt. Zwei Häuser können Stenger zufolge auf der Fläche an der Dorfstraße entstehen. Hinter dem Supermarkt am Bahnhofsweg sollen künftig Reihen- und Doppelhäuser gebaut werden.
Eigentumsfragen sind noch zu klären.
Bis auf diese zwei Grundstücke sind mittlerweile alle städtischen Flächen vermarktet. Etwas Potenzial gebe es zwar noch, vorerst aber müssten Eigentumsfragen geklärt werden. Stenger jedoch ist zuversichtlich, in diesem Jahr eine Einigung mit diesen Eigentümern erreichen zu können.
Im Rahmen der Entwicklung des Hennigsdorfer Ortsteils gibt es einige Themen, die lange schon diskutiert werden. Dazu gehören die Normenkontrollverfahren mit zwei Klägern,
aber auch die geplante Umgehungsstraße. Um hier endlich begründbare Argumente liefern zu können, wird im Frühjahr übrigens eine Verkehrszählung durchgeführt - auch wenn der Bau vorerst nicht zu erwarten ist. Denn das Land müsste jenen realisieren, hat ihn aber bisher , nicht auf die Dringlichkeitsliste gesetzt (wir berichteten).
Wenn auch keine Umgehungsstraße, mehrere Ausbauten sind im vergangenen Jahr in Nieder Neuendorf realisiert worden. Der Triftweg und die Waldmeisterstraße sind ausgebaut worden. Durch ganz Nieder Neuendorf führt heute ein Geh- und Radweg. Und auch abseits der Landesstraße 172 gibt es seit 2007 einen Fußgängerweg durch die Kleingartensparte.
Zudem stehen die öffentlichen Stege am Havelufer inzwischen. Und bis auf eine Ausnahme sind alle privaten Steganlagen genehmigt, sagte Daniel Stenger gestern.

Das Projekt
Mit der sogenannten Ehtwicklungsmaßnahme Nieder Neuendorf sollen laut Verwaltung "vorrangig Ziele wie die städtebauliche Neuordnung, die Schaffung von etwa 650 Wohneinheiten, der Aufbau der erforderlichen sozialen und technischen Infrastruktur (unter anderem von Grundschule und Kindertagesstätte) sowie die Anlage des öffentlich zugänglichen Havelgrünzuges zur Stärkung der örtlichen und regionalen Erholungsfunktion umgesetzt werden". Wesentliche Teile dieser Entwicklungsziele wurden mittlerweile umgesetzt. Abgeschlossen werden soll die Entwicklungsmaßnahme voraussichtlich Ende dieses Jahres.
Beginn war 1995. (mo)

Hennigsdorfer Generalanzeiger, 27.10.2007

Parlament segnet Stadtentwicklungskonzept ab

Ortsumgehung Nieder Neuendorf bleibt unverändert Bestandteil / BürgerBündnis fordert konkrete Projekte
HENNIGSDORF (mo) o Seit Anfang der 90er Jahre ist die Ortsumgehung Nieder Neuendorf geplant. Sie ist die einzige Möglichkeit, den Verkehr zu bewältigen. So lautet die Stellungnahme der Stadtverwaltung zur Forderung einiger Nieder Neuendorfer, die Pläne ad acta zu legen (wir berichteten). Das tut die Verwaltung jedoch nicht. Es habe sich gezeigt, dass nur eine ortsnahe Umgehung Sinn habe, denn es handle sich nicht um Durchgangsverkehr, der den Ortsteil frequentiere. Vielmehr handle es sich um "Quell- und Zielverkehr", sagte Bürgermeister Andreas Schulz (SPD) gestern noch einmal deutlich in Richtung der Bürgerinitiative. Sie fordern eine ortsferne Umgehungsstraße, die Schulz zufolge sinnlos wäre. Priorität habe dieser Plan weiterhin nicht, und weiterhin sei das Land hier der Entscheidungsträger. Die Ortsumgehung aber bleibt dennoch eine Schlüsselmaßnahme des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (Insek), das gestern Abend mehrheitlich vom Parlament beschlossen wurde.
Zuvor war einem Antrag des BürgerBündnisses entsprochen worden. Demnach sollen Fördermittel auf der Grundlage des Insek erst dann beantragt werden, wenn die Stadtverordneten konkrete, umsetzungsreife Projektkonzepte beschlossen haben. Obwohl das Stadtparlament dem Antrag seine Zustimmung gegeben hatte, enthielten sich die Fraktionsmitglieder des BürgerBündnisses, als es anschließend darum ging, das Insek als Entscheidungsgrundlage für die Fördermittelvergabe durch das Land zu beschließen.

Märkische Allgemeine Zeitung, 10.02.2007

"Der jetzige Zustand ist "Der jetzige Zustand ist nicht haltbar"

Die Nieder Neuendorfer Bürgerinitiative BON fordert Tempo-30-Zonen statt einer Ortsumgehung / Gehling: "Politik nicht bürgerfreundlich"
HENNIGSDORF (mo) o Die Diskussion um einen installierten Blitzer in Nieder Neuendorf wurde auf der Sitzung des Bauausschusses vergangene Woche angestoßen. Nun meldet sich die Bürgerinitiative Ortsumgehung Nieder Neuendorf (BON) zu Wort. Die Stellungnahme von BON-Sprecher Johannes Gehling dokumentieren wir im Folgenden auszugsweise:

DOKUMENTATION
"Ist eine ,Blitzer-Stele` in Nieder Neuendorf der Weisheit letzter Schluss oder wie soll eine Verkehisberuhigung in Nieder Neuendorf künftig aussehen? Hier noch einmal zur Erinnerung: In der Bürgerversammlung vom 24. September wurde im Rahmen der Projektvorstellungen für das Insek (Integriertes Stadtentwicklungskonzept) zum wiederholten Male von der Stadt eine ortsnahe Umgehung für Nieder Neuendorf propagiert. Fast alle Anwesenden sprachen sich, auch weil zum Beispiel ein integriertes Verkehrslenkungskonzept fehlt, gegen eine solche Maßnahme aus. Und das sicherlich nicht aus leichtfertigen Gründen, sondern weil ein schlüssiges Konzept für ganz Hennigsdorf nicht in Sicht ist.
Den Verkehr - ohne Rücksicht auf dann neue anliegende Wohngebiete und Kleingärten sowie im weiteren Verlauf Anlieger aus anderen Stadtgebieten, die schon jetzt übermäßig belastet werden - nur stückweise von einer Dorfseite auf die andere zu verlegen, zeugt nicht gerade von einer bürgerfreundlichen Politik. Hierzu passt die Aussage des Bürgermeisters, dass es ein tatsächliches Verkehrsproblem nicht gäbe und einer ortsfernen Umgehung unter Einbeziehung weiterer Gemeinden (Schönwalde, Bötzow, Marwitz und so weiter) daher, da das Land Brandenburg Baulastträger ist, keine Chancen eingeräumt werden.
In dem Zusammenhang gibt es seitens der Bürger sicherlich die berechtigte Frage: Warum sollte das Land überhaupt eine neue Straße bauen, wenn es doch keine Probleme gibt?
Unter diesem Gesichtspunkt stellt man sich doch die Frage, wie soll es dann in Zukunft weitergehen? Denn der jetzige Zustand ist weder für Anlieger an der Dorfstraße noch im weiteren Verlauf für Anlieger an der Neuendorf- und Hauptstraße haltbar.
Auch die am 4. Oktober vom Bauausschuss der Stadt Hennigsdorf befürwortete Aufstellung einer stationären Geschwindigkeitsüberwachungsanlage ist, wie schon in der Sitzung selber moniert, keine Anlage um eine Verkehrsberuhigung zu erzielen. An solch einer Anlage wird, wenn zu schnell gefahren wird, doch nur 50 Meter vorher abgebremst und dann weitergefahren. Das kann doch nicht ernsthaft als Verkehrsberuhigung betrachtet werden.
Fragwürdig ist jedoch in der Aussage der beiden Stadtverordneten das monierte Kosten-Nutzen-Verhältnis. Wird denn nur für die Sicherheit der Bürger bei entsprechenden Gegenfinanzierungen gesorgt? Das wäre sehr bedenklich, wenn man sich an den Vorfall vom 26. September erinnert. Da konnten sich zwei Kinder gerade noch mit einem Sprung zur Seite retten, als ein schwarzer Jeep trotz roter Ampel auf sie zuraste.
Verkehrsberuhigung kann nur durch die Schaffung von Tempo-30-Zonen, Nachtfahrverboten oder Gewichtsbeschränkungen erreicht werden. Gleichzeitig darf man nicht das erforderliche Verkehrslenkungskonzept für unsere gesamte Stadt aus den Augen verlieren. Die Forderung nach einer zeitnahen Verkehrsberuhigung des Ortskernes am Dorfanger von Nieder Neuendorf wurde am 30. September, als BON die sicherheitsrelevanten Auswirkungen von Tempo 30 anhand von Bremsbändern darstellte, durch den Zwischenfall mit den Kindern untermauert.
Die plastische Darstellung der einfachen Gefahrenreduzierung - unter anderem verkürzt sich der Bremsweg bei Umsetzung von Tempo 30 immerhin von 27,70 Meter auf 13,30 Meter, also um 50 Prozent - zog Interessierte jeden Alters an, deren einhellige Meinung war: Hier muss gehandelt werden - unabhängig von einer Ortsumgehung."

Hennigsdorfer Generalanzeiger, 06.10.2007

"Blitzer-Stele" soll Raser bremsen

Stadt will Verkehr in Nieder Neuendorfer beruhigen
Von Silke Schuck HENNIGSDORF o An der Nieder Neuendorfer Dorfstraße könnte bald ein fest installiertes Blitzgerät aufgestellt werden. Der Bauausschuss des Hennigsdorfer Stadtparlamentes hat diese Idee am Donnerstagabend zumindest grundsätzlich befürwortet.
"Wir haben die Anregung von Nieder Neuendorfern aufgenommen", erläuterte Edith Wiesner, Fachdienstleiterin des Bereichs Bürgerdienste, die überraschende Vorlage zur Einrichtung einer "stationären Geschwindigkeitsüberwachungsanlage".
Während der Bürgerbefragung zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept (Insek) hatten sich zahlreiche Einwohner des Stadtteils über den starken Durchgangsverkehr beschwert. Die Mehrheit lehnte die geplante ortsnahe Umgehungsstraße ab, da sich ihrer Meinung nach Verkehr und Lärm dadurch in die neuen Wohngebiete verlagern würden. Eine seit Jahren geforderte Tempo-30-Zone lehnt die Landesregierung nach wie vor ab (wir berichteten).
Um die durchbrausenden Kraftfahrer in Nieder Neuendorf zu bremsen, soll nun also eine so genannte "Blitzer-Stele" aufgestellt werden. Allerdings dränge die Zeit,"mahnte Edith Wiesner. Die Stadtverwaltung benötige die Zustimmung des Bauausschusses, um eine entsprechende Ausschreibung fristgemäß vorbereiten sowie den Stadtverordneten zum Beschluss vorlegen zu können.
Als Orientierungshilfe hatte die Fachdienstleiterin bereits eine mögliche Kostenrechnung vorgelegt. Nach Angaben eines Anbieters würde ein Mietvertrag für eine "Blitzer- Stele" über eine Laufzeit von 48 Monaten ohne Verhandlungen
rund 1650 Euro monatlich kosten.
Diese Summe sorgte zunächst für Diskussionen. Sowohl Ekkehard Hinke (SPD) als auch Reiner Gaser (CDU) monierten das Kosten-Nutzen-Verhältnis. "Die Hennigsdorfer werden bald wissen, wo der Blitzer steht", sagte Hinke. Damit würden die Einnahmen durch die Bußgelder sinken und nicht die Miete finanzieren. Thomas Günther (SPD) erkundigte sich, ob es deshalb nicht sinnvoller sei, eine Anlage zu kaufen. Edith Wiesner verwies darauf, dass ein Mietvertrag notwendige Reparaturen innerhalb von 24 Stunden garantiere. Dies könne die Verwaltung nicht in Eigenregie leisten. Zur Kostenfrage sagte Wiesner, das sowohl die Verkehrssicherheit als auch die Prävention im Vordergrund eines stationären Messgerätes stünden. Bei einem 100-prozentigen Wirkungsgrad könne zudem der Mietvertrag wieder gekündigt werden. Die Mitglieder des Bauausschusses sprachen sich grundsätzlich für den Einsatz einer "Blitzer-Stele" aus. Über die Einzelheiten müsse jedoch noch diskutiert werden. Zur Debatte stehen drei Varianten. Nummer eins sieht vor, unverändert mit der mobilen Geschwindigkeitsüberwachung (Blitzer aus einem Pkw) zu operieren. Der laufende Vertrag mit der Firma ML-Leasing in Cottbus ende nach Angaben von Edith Wiesner am 30. Juni 2008. Die Stadtverwaltung bereite derzeit eine erneute EU-weite Ausschreibung vor, die bis zum 1. Juli 2008 umgesetzt sein müsse. Variante zwei sieht vor, zusätzlich innerhalb einer bundesweiten Ausschreibung Angebote für eine stationäre digitale Messtechnik einzuholen. Nach Variante drei sollen die Anmietung einer mobilen und einer stationären Messtechnik gemeinsam EU-weit ausgeschrieben werden.

Hennigsdorfer Generalanzeiger, 29.09.2007

Jeep-Fahrer gefährdet Kind

HENNIGSDORF o Nur mit einem Sprung zur Seite konnten sich am vergangenen Mittwoch um 6.35 Uhr zwei Kinder davor retten, von einem Jeep überrollt zu werden. Die Kinder wollten bei grünem Ampelsignal die Dorfstraße in Höhe der Bushaltestelle Buhnengeflüster in Nieder Neuendorf überqueren. Sie befanden sich fast auf der Mitte der Fahrbahn als ein schwarzer Jeep sich näherte. Trotz Rotlicht raste das Auto auf die Kinder zu. Die Kinder wurden augenscheinlich nicht verletzt. Eine Zeugin beobachtete den Vorfall und meldete ihn kurz darauf der Polizei. Nun werden die Eltern der Kinder und weitere Zeugen, die den Vorfall beobachtet haben, gebeten, sich bei der Polizei in Hennigsdorf unter ® (0 33 02) 80 30 zu melden. Insbesondere geht es um Informationen, um den Fahrer des schwarzen Jeeps zu ermitteln. Hinweise werden von der Polizei auch über das Bürgertelefon © (07 00) 33 33 03 31 und über Internetwache unter www.internetwache.brandenburg.de entgegengenommen.

Märkische Allgemeine Zeitung, 26.09.2007

Bypass-Gegner frischen Protest auf

Kritik am Entwicklungskonzept
HENNIGSDORF Mit so vielen Interessenten hatte wohl selbst Bürgermeister Andreas Schulz (SPD) nicht gerechnet. Etwa 90 Bürger waren am Montagabend im Hennigsdorfer Rathaus erschienen, um über das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Insek) zu diskutieren. "Fragen, Anregungen, Meinungen und Bedenken" hatte sich Schulz gewünscht, und die Gäste geizten nicht mit ihrer Kritik. Dreh- und Angelpunkt der anderthalbstündigen Debatte war eine von sechs im Insek aufgeführten Schlüsselmaßnahmen: der Bau einer ortsnahen Umgehungsstraße für den Ortsteil Nieder Neuendorf.
Mit der geplanten Trasse könne man den Lebensraum zwischen Wald und Feldern, Siedlung und See nur verschlechtern, sagte ein Anwohner. Die Anwesenden applaudierten. Zwei Mädchen hielten Schilder in die Höhe. "Kinder brauchen Freiraum" war auf dem einen zu lesen. "Von wegen ruhiges Wohngebiet" auf dem anderen. In Nieder Neuendorf gehe die Angst um, dass mit dem Bypass mehr Menschen unter Lärm und Abgasen leiden als bisher: "Wir wollen Biese Straße gar nicht. Wir leben da sehr schön."
Ein Dutzend Redner schloss sich an. Eine Frau prophezeite, dass die Stadt mit der Umgehung "ganz viele Menschen aus Hennigsdorf vertreiben" werde. Ein Herr kündigte an, die Pläne für
"eine unsägliche Maßnahme, die den Menschen so viel Leid bringt", zu entzaubern. Der Vorsitzende der betroffenen Gartensparte erinnerte daran, dass ein Drittel der Parzellen durch den Bau verschwinden wird: "Das Einzige, was dann noch hier wächst, ist der Lkw-Verkehr."
Die Bürger forderten, die Pläne aufzugeben, die veranschlagten zwölf Millionen anderweitig einzusetzen und den Ort zur Tempo-30-Zone zu erklären. Letztere Ansicht teile er, sagte Schulz. Die Stadt habe bereits mehrmals bei der zuständigen Behörde ein Tempolimit beantragt - jedoch vergebens : "Wir sprechen von einer Landesstraße - das Land sieht hier keinen Handlungsbedarf." Die Umgehung hingegen halte er für notwendig, sie genieße nach wie vor Priorität. "Sie ist aber alles andere als wahrscheinlich: Das Land muss aktiv werden, es sieht hier, wie gesagt, kein Verkehrsproblem."
Ein Besucher sprach sich - unter Buhrufen - für die Umgehung aus. Ein Anlieger der Dorfstraße, die stark durch die Pendlerströme von und nach Spandau belastet ist. "Der Verkehr ist unerträglich. Alle, die die Umgehung verhindern wollen, sollen sich mal für eine Stunde an die Dorfstraße setzen und mir dann sagen, dass es schön ist. Egal wie, Hauptsache der Lärm verschwindet von der Dorfstraße." nf

Hennigsdorfer Generalanzeiger, 26.09.2007

Gegen die Ortsumgehung

Integriertes Stadtentwicklungskonzept war Thema einer Bürgerversammlung
Von Mandy Oys HENNIGSDORF o Ursprünglich sollte sich die jüngste Hennigsdorfer Bürgerversammlung um das gesamte Integrierte Stadtentwicklungskonzept drehen. Lautstark diskutiert wurde am Ende aber nur ein Punkt - Nieder Neuendorfs Ortsumgehung.
Etwa 90 Bürger waren am Montag erschienen. Das Gros sprach sich erneut gegen die ortsnahe Umgehung aus, die laut früherer Beschlüsse der Stadt vor allem die stark befahrene Nieder Neuendorfer Dorfstraße entlasten soll.
Diese ortsnahe Umgehung aber schaffe nur eines, hieß es gestern. Sie bringe den Lärm und die Emissionen in das noch junge Wohngebiet. Noch dazu würde der Verkehr mit einer solchen Umgehung nur zunehmen. Bürgermeister Andreas Schulz (SPD) aber widersprach den Bürgern,
verwies auf Untersuchungen, die belegen, dass es sich hier keineswegs um Durchgangsverkehr handle. Die Ortsdurchfahrt werde genutzt, um ins Zentrum zu gelangen, die Verkehrszunahme sei also wenig wahrscheinlich. Vor allem aber betonte er, dass nicht die Stadt, sondern das Land als Träger der L 172 die Entscheidungsgewalt habe.
Wie die Diskussionen um die Ortsumgehung Nieder Neuendorf ist keiner der einzelnen Punkte des Stadtentwicklungsluinzeptes tatsächlich neu. Sie wurden lediglich in einem Integrierten Konzept zusammengefasst, um die Voraussetzungen für die Fördermittelvergabe von Bund und EU zu erfüllen. Die Stadtverordneten sollen das Konzept im Oktober absegnen. Nur wenige aber waren am Montag anwesend. (Hennigsdorf)

Hennigsdorfer Generalanzeiger, 26.09.2007

"Lärm im Wohngebiet"

Proteste während der Bürgerversammlung
HENNIGSDORF (mo) o "Wohnen dort, wo andere Urlaub machen", so lautete der Slogan eines Vermarkters vor Jahren, als Nieder Neuendorfs Grundstücke verkauft werden sollten. "Aber haben Sie schon jemanden gesehen, der an der Autobahn Urlaub macht?" fragte einer der Nieder Neuendorfer, die am Montag zur Bürgerversammlung im Rathaus erschienen waren.
Die Versammlung sollte eigentlich Gelegenheit geben, das gesamte Integrierte Stadtentwicklungskonzept (I ns ek) Hennigsdorfs zu diskutieren. Schließlich aber war nur ein Punkt Aufhänger kritischer Redebeiträge. Die Planungen für die ortsnahe Umgehung der Landesstraße 172, die es bereits gab, als viele der Nieder Neuendorfer Grundstücke noch nicht vermarktet waren.
Etwa 90 Menschen waren am Montag ins Rathaus gekommen, sie rollten Transparente aus und traten nacheinander ans Mikrofon. Plädiert wurde - wie seit Jahren - für die Widmung der Landesstraße in eine Tempo-30-Zone, die Bürgermeister Andreas Schulz (SPD) zufolge natürlich von der Stadt auch beantragt worden war, zwei Mal allerdings von der Straßenverkehrsbehörde bereits abgelehnt worden ist.
Schulz stand auch angesichts der etwa 90 Protestier am Montag weiter zu den Planungen für die ortsnahe Umgehung. Doch er versuchte den Gegnern auch klar zu machen, dass allein das Land entscheidet und auch baut. Dass das in nächster Zeit passieren könnte, hält Schulz für unwahrscheinlich. Ein tatsächliches Verkehrsproblem gebe es schließlich nicht. Auch wenn der Verkehr zugenommen habe, halte er die Öffnung der Straße nach Berlin-Spandau noch immer für die richtige Entscheidung. Wer die Dorfstraße nutzt, wolle in aller Regel ohnehin ins Zentrum der Stadt. Einer ortsfernen Umgehung sei damit die Legitimation entzogen.
Mit dem geschlossenen Protest der Nieder Neuendorfer am Montag war der eigentliche Vortrag zu einzelnen Punkten des Insek in den Hintergrund gerückt. Aber nicht nur die Planungen zur Umgehungsstraße, sondern auch die Gestaltung des Stadtzentrums, die Mobilisierung von Bauland, die Gewinnung von Unternehmen oder die Nutzbarmachung des Altwalzwerks sind Teil des Insek (wir berichteten). Das Konzept soll Hennigsdorf Fördermittel sichern und wurde dem Land bereits vorgelegt.

Hennigsdorfer Generalanzeiger, 29.08.2007

Insek steht im Internet

HENNIGSDORF (sc) Das Intergrierte Stadtentwicklungskonzept (Insek) soll in den kommenden Wochen nicht nur die politischen Volksvertreter beschäftigen. Auch die Bürger sind aufgerufen, sich mit den Plänen für ihre Stadt sowie deren angestrebte Position im Regionalen Wachstumskern mit Oranienburg und Velten auseinander zu setzen. Die Stadt lädt Interessierte dazu am Montag, 24. September, um 18 Uhr in den Sitzungassaal des Rathauses ein. Dort soll das Insek vorgestellt und auch diskutiert werden.
Wer sich vorab schlau machen möchte, kann sich das Papier ab sofort im Rathaus beim Fachbereich Bürgerdienste durchlesen. Auf der Internetseite der Stadt www.hennigsdorf.de kann sich das Insek unter der Rubrik "Aktuelles" heruntergeladen werden.
Im Zuge der veränderten Förderpolitik in Brandenburg hatte das Land die Erarbeitung eines
grundlegenden Konzeptes von den Kommunen in den Wachstumskernen gefordert, in dem Ziele und Maßnahmen bis zum Jahr 2020 benannt werden sollen. Das Insek soll jedoch nicht als Festschreibung verstanden werden, sondern stetig weiterentwickelt werden. Um -wie Bürgermeister Andreas Schulz (SPD) es formuliert - der "Motor einer innovativen Wachtumsregion" auch bis 2020 zu bleiben, wurden Schlüsselmaßnahmen festgelegt: Die Entwicklung des Altwalzwerk- Geländes, die Qualifizierung des Zentrums, die Entwicklung des RathenauCampus, die Mobilisierung von Baulandreserven sowie die Entwicklung einer nachhaltigen Marketingstrategie für Hennigsdorf als attraktive Wohn- und Arbeitsstätte.
Den Stadtverordneten liegt das Insek bereits vor. Sie werden in einer Sitzung am 24. Oktober darüber diskutieren. Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung sollen dort Einfluss finden.

Märker, 16.06.2007
Nieder Neuendorf: Bürgerinitiative fordert Verkehrsberuhigung

Vorfahrt für Kinder

Die Bürgerinitiative Ortsumgehung Nieder Neuendorf (BON) fordert Vorfahrt für Kinder und Schutz gegen Verkehrslärm sowie Verkehrsberuhigung. Dies unterstrich sie am Kindertag, dem 1.Juni, mit einer erneuten Demonstration. Mehr als 100 Menschen folgten dem Demonstrationsaufruf. "Lärm danke!" "Kinder haben keinen Airbag", "Brummis raus" und "Stoppt Ortsumgehung" lauteten die Forderungen der Hennigsdorfer Bürger. Der Demonstrationszug legte die Durchfahrtstraße für eine Stunde lahm.
Autofahrer und sonstige betroffene zeigten Verständnis für das Anliegen der Bürger. "Wir wollen Tempo 30, sofort, dann brauchen wir die Umgehungsstraße nicht", äußerte eine Anwohnerin der Dorfstraße nach Angaben der Bürgerinitiative.
"Die Nieder Neuendorfer sind sich einig, dass mit einem vernünftigen Verkehrskonzept die Ortsdurchfahrt entlastet und der Bau einer ortsnahen Umgehungsstraße vermieden werden kann. Verkehr muss dorthin verlagert werden, wo er hingehört, dazu gehören für den Durchgangs- und Schwerlastverkehr die sehr gut ausgebauten und angeschlossenen Autobahnen und Fernstraßen", teilt Johan nes Gehling, Pressesprecher des Vereins BON mit.
Zugleich erläutert er den Hintergrund: "Während im nahen Spandau über die Einführung von Tempo 30 an der anschließenden Nieder Neuendorfer Allee in den städtischen Gremien laut nachgedacht wird, wird in Hennigsdorf viel Lärm um eine von der Stadt Hennigsdorf favorisierte ortsnahe Umgehungsstraße gemacht, ohne die überfälligen verkehrslenkenden und verkehrsberuhigenden Maßnahmen an der Ortsdurchfahrt durchzusetzen, oder wie ist die Aussage von einer Neu Niederneuendorfer
Anwohnerin sonst zu verstehen, dass ein Kaufargument die Zusage einer kurzfristigen ortsnahen Umgehung um Nieder Neuendorf gewesen ist?"
Die Bürgerinitiative BON hat zuletzt vor zwei Jahren in Eigenregie Zählungen und Lärmmessungen über 24 Stunden durchgeführt. Demnach stieg die Anzahl der Fahrzeuge im Vergleich zur letzten Zählung vor vier Jahren um etwa 20 Prozent, "was bedeutet, dass mehr als 11 000 Fahrzeuge tagtäglich die Augen und Ohren der an der L 172 anliegenden Hennigsdorfer und Nieder Neuendorfer malträtieren", so Johannes Gehling. Zudem schädigten Feinstaub und Stickoxide sowohl die Gesundheit der Hennigsdorfer als auch die der Spandauer Anwohner.
BON hatte den Hennigsdorfer Bürgermeister zur Verkehrsbeschränkung an der Ortsdurchfahrt laut Paragraf 45 StVO aufgefordert, was aufgrund mangelnder Erhebungen seitens der Stadt IV Hennigsdorf abgelehnt wurde.
Als skandalös bezeichnet BON die immer noch nicht veröffentlichten Ergebnisse einer Verkehrszählung des Landesbetriebs für Straßenwesen, die vor zwei Jahren von diesem erhoben wurden und schlussfolgert für sich: "In einer Gesellschaft, in der es inzwischen viermal mehr Autos als Kinder gibt, benötigen Kinder einen besonderen Schutz durch die Gemeinschaft. Nicht der Mensch muss dem Verkehr angepasst werden, sondern der Verkehr dem Menschen."!
In diesem Sinne demonstrierten die Nieder Neuendorfer am 1. Juni für Tempo 30-Abschnitte an der Hennigsdorfer Ortsdurchfahrt, für ein Lkw- Nachtfahrverbot in Nieder Neuendorf, für mehr Zebrastreifen und für einen 20-Minuten-Takt mit lärmarmen Bussen zwischen Hennigsdorf und Spandau.

Märker, 09.06.2007
Hennigsdorf: Bürgeriniative Ortsumgehung Nieder Neuendorf (BON) nutzte Kindertag zur Demonstration

Demonstrationszug legte Durchfahrtsstraße für eine Stunde lahm

Mehr als 100 Demonstranten gingen anlässlich des Internationalen Kindertages gegen Verkehrslärm und für Ver kehrsberuhigung in Nieder Neuendorf auf die Straße. "Lärm danke!" "Kinder haben keinen Airbag", "Brummis raus" und "Stoppt Ortsumgehung" lauteten die Forderungen der Hennigsdorfer Bürger. Der Demonstrationszug legte die Durchfahrtstraße für eine Stunde lahm. Autofahrer und sonstige Betroffene zeigten Verständnis für das Anliegen der Bürger, die Tempo 30 statt einer teuren Umgehungsstraße fordern. Mehr dazu lesen Sie in der nächsten Ausgabe.

Hennigsdorfer Generalanzeiger, 08.06.2007

"Die Ergebnisse sind alarmierend"

Pressesprecher der Bürgerinitiative Ortsumgehung Nieder Neuendorf (BON) zu den Vereinszielen
HENNIGSDORF (HGA) o In Nieder Neuendorf wurde am vergangenen Freitag gegen Verkehrslärm gestreikt (wir berichteten). Johannes Gehling, Pressesprecher des Vereins Bürgerinitiative Ortsumgehung Nieder Neuendorf (BON), blickt jetzt auf den Tag zurück:

DOKUMENTATION
"Mehr als hundert Demonstranten ließen sich nicht blenden und gingen am Freitag anlässlich des Internationalen Kindertages gegen Verkehrslärm und für Verkehrsberuhigung in Nieder Neuendorf auf die Straße. "Kinder haben keinen Airbag", "Brummis raus" und "Stoppt Ortsumgehung" skandierten Hennigsdorfer Bürger. Der Demonstrationszug legte die Durchfahrtstraße für eine Stunde lahm. Autofahrer und sonstige Betroffene zeigten Verständnis für das Anliegen der Bürger.
"Wir wollen Tempo 30 sofort, dann brauchen wir die Umgehungsstraße nicht!" äußerte eine Anwohnerin der Dorfstraße. Äußerungen wie diese zeigen: Die Nieder Neuendorfer sind sich einig, dass mit einem vernünftigen Verkehrskonzept die Ortsdurchfahrt entlastet und der Bau einer ortsnahen Umgehungsstraße vermieden werden kann. Verkehr muss dorthin verlagert werden, wo er hingehört, dazu gehören für den Durchgangs- und Schwerlast- verkehr die sehr gut ausgebauten und angeschlossenen Autobahnen und Fernstraßen.
Der Hintergrund: Während im nahen Spandau über die Einführung von Tempo 30 an der anschließenden Nieder Neuendorfer Allee in den städtischen Gremien laut nachgedacht wird, wird in Hennigsdorf viel Lärm um eine von der Stadt favorisierte ortsnahe Umgehungsstraße gemacht, ohne die überfälligen verkehrslenkenden und
verkehrsberuhigenden Maßnahmen an der Ortsdurchfahrt durchzusetzen, oder wie ist die Aussage von einer NeuNieder-Neuendorfer Anwohnerin sonst zu verstehen, dass ein Kaufargument die Zusage einer kurzfristigen ortsnahen Umgehung um Nieder Neuendorf gewesen ist.
Die BON hat zuletzt vor zwei Jahren in Eigenregie Zählungen und Lärmmessungen über 24 Stunden durchgeführt. Die Ergebnisse sind alarmierend: So stieg die Anzahl der Fahrzeuge im Vergleich zur letzten Zählung vor vier Jahren um zirka 20 Prozent, was bedeutet, dass mehr als 11 000 Fahrzeuge tagtäglich die Augen und Ohren der an der L 172 anliegenden Hennigsdorfer und Nieder Neuendorfer malträtieren - Zahlen, die noch vor Schließung des Tegel-Tunnels erhoben wurden.
Zudem schädigen Feinstaub und Stickoxide nicht nur die Gesundheit der Hennigsdorfer, sondern auch der Spandauer Anwohner. BON hatte den Hennigsdorfer Bürgermeister zur Verkehrsbeschränkung an der Ortsdurchfahrt laut Paragraf 45 Straßenverkehrsordnung aufgefordert, was auf Grund mangelnder Erhebungen seitens der Stadt abgelehnt wurde. Als skandalös bezeichnet die BON die immer noch nicht veröffentlichten Ergebnisse einer Verkehrszählung des Landesbetriebs für Straßenwesen, die vor zwei Jahren von diesem erhoben wurden.
Fazit: In einer Gesellschaft, in der es inzwischen vier Mal mehr Autos als Kinder gibt, benötigen Kinder einen besonderen Schutz durch die Gemeinschaft. Verkehrslenkende und -beruhigende Maßnahmen sind im Interesse aller schleunigst durchzusetzen, denn: Nicht der Mensch muss dem Verkehr angepasst werden, sondern der Verkehr dem Menschen!

Märkische Allgemeine Zeitung, 03.06.2007

Für Tempo 30 auf der Dorfstraße

Nieder Neuendorfer fordern Landesstraßenbetrieb zum Handeln auf
NIEDER NEUENDORF Für Tempo 30 auf der Ortsdurchfahrt Nieder Neuendorf demonstrierten gestern Nachmittag etwa 70 Bewohner des südlichen Hennigsdorfer Stadtteils. Thomas Jahn von der örtlichen Bürgerinitiative kritisierte die Untätigkeit des Landesbetriebs für Straßenwesen. Seit zwei Jahren würden Ergebnisse einer Verkehrszählung nicht ausgewertet. "Legen Sie die Zahlen offen und ergreifen Sie endlich Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung auf der Dorfstraße!", forderte Jahn die Verantwortlichen auf. Das Land und die Verkehrsbehörde des Landkreises begründen ihre Ablehnung von Tempo 30 damit, dass es sich bei der Dorfstraße um eine Landesstraße handelt. "Warum ist dies dann aber auf der Landesstraße L 20 in Borgsdorf-Pinnow möglich?", fragte Jahn. ub

Märkische Allgemeine Zeitung, 02.06.2007

Dorfstraße muss sicherer werden

Nieder Neuendorfer bleiben am Ball
NIEDER NEUENDORF Die Bürgerinitiative Bon hatte für ihre Protestaktion in Nieder Neuendorf gestern mit Bedacht den internationalen Kindertag gewählt. "Kinder sind von der Verkehrsbelastung besonders betroffen", erklärte Thomas Jahn von Bon. Aber auch für Senioren und Behinderte würde Tempo 30 mehr Sicherheit bringen, wenn sie die Straße überqueren wollen. Auch die Belastung durch Feinstaub und Stickoxide würde reduziert. Jahn verwies auch auf die teilweise unerträgliche Lärmbelastung durch den stark gestiegenen Lkw-Durchgangsverkehr. Bon plädiert nach wie vor für eine ortsferne Umgehungsstraße. Eine Anwohnerin der Dorfstraße lieferte sich deshalb mit den Demonstranten ein Wortgefecht. Sie forderte die ortsnahe Variante und kritisierte, dass die Bewohner der Waldfrüchtchen-Siedlung dies verhindern wollen. Horst Brandenburg, Fraktionschef des Bürgerbündnisses, rief dazu auf, weiter für Tempo 30, Lkw-Nachtfahrverbot und zusätzliche Fußgängerübergänge zu kämpfen. Brandenburg: "Wir müssen am Ball bleiben!" ub

Hennigsdorfer Generalanzeiger, 02.06.2007

Gegen Lärm auf die Straße

Nieder Neuendorfer demonstrieren
Von Stefan Zwahr
HENNIGSDORF o "Diese Situation auf unseren Straßen ist nicht hinnehmbar", lautete der Kontext bei der gestrigen Demonstration in Nieder Neuendorf, zu der die Bürgerinitiative Ortsumgehung Nieder Neuendorf (BON) aufgerufen hatte. Knapp 70 Teilnehmer gaben ihren Unmut zum Ausdruck.
"Der Durchgangsverkehr muss dahin geleitet werden, wo er hingehört", signalisierte der Stadtverordnete Horst Brandenburg, Fraktions-Vorsitzender BürgerBündnis freier Wähler, seine Unterstützung. Die Forderungen der BON und der Demonstranten nach Tempo 30-Abschnitten an der Hennigsdorfer Ortsdurchfahrt, einem Lkw- Nachtfahrverbot in Nieder Neuendorf, mehr Zebrastreifen und einem 20-Minuten-Takt
mit lärmarmen Bussen zwischen Hennigsdorf und Spandau hatte der Politiker bereits in die Stadtversammlung eingebracht. "Diese legte unsere Ziele beim Straßenbaulastträger vor, wo sie abgelehnt wurden. Das ist aber kein Grund, die Flügel hängen zu lassen", so Brandenburg.
Auch Thomas Jahn vom BON will weiter am Ball bleiben. "Für diese Themen machen wir uns nun seit mehr als fünf Jahren stark und fordern weiterhin ein Handeln im Sinne der Bürger." Er glaubt, dass beim Landesbetrieb für Straßenwesen "mit zweierlei Maß" gemessen wird. "In Borgsdorf gibt es an einer Landesstraße eine ähnliche Situation. Dort wurde allerdings die Tempo 30-Zone sehr schnell genehmigt", sagt Thomas Jahn. (Hennigsdorf)

Hennigsdorfer Generalanzeiger, 02.06.2007

"Besonderer Schutz für Kinder"

Demonstranten in Nieder Neuendorf wollen auch künftig für Verkehrsberuhigung eintreten
Von Stefan Zwahr
HENNIGSDORF o Gegen Verkehrslärm und für die Verkehrsberuhigung Hennigsdorfs gingen gestern in Nieder Neuendorf knapp 70 Demonstranten auf die Straße. Dazu aufgerufen hatte die Bürgerinitiative Ortsumgehung Nieder Neuendorf (BON).
Diese hatte die Aktion bewusst auf den Kindertag gelegt. "In Deutschland gibt es vier Mal so viele Autos wie Kinder. Daher brauchen diese einen besonderen Schutz", so Thomas Jahn von der BON.
Er unterstrich die Forderungen der Bürgerinitiative, die seit mehr als fünf Jahren Bestand haben. So seien Tempo30-Abschnitte an der Hennigsdorfer Ortsdurchfahrt erforderlich. "Tempo 30 erhöht die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer, bringt mehr Ruhe und ist besser für Gesundheit und Umwelt", bekräftigte
er, auch ein Lkw-Nachtfahrverbot in Nieder Neuendorf ("Die Maut-Flucht muss verboten werden"), mehr Zebrastreifen und einen 20-Minuten-Takt mit leisen Bussen zwischen Hennigsdorf und Spandau.
Während die Stadt Hennigsdorf laut aufgebrachten Anwohnern, die die Situation gestern als "unerträglich" bezeichneten, nicht auf Eingaben reagieren würde, bekundete Horst Brandenburg, Fraktions-Chef vom BürgerBündnis freier Wähler, seine Unterstützung. Er sprach sich gegen eine Umgehungsstraße aus, die gestern von "Gegen- Demonstranten" gefordert wurde. "Durch eine solche Umgehungsstraße würden sich viele neue Probleme ergeben. Der Durchgangsverkehr kann und muss über die Autobahn erfolgen."

Hennigsdorfer Generalanzeiger, 08.03.2007

Nur drei von 36 Parzellen sind noch frei

Nieder Neuendorf: Baugrundstücke an der Bahnhofstraße werden knapp / Umgehungsstraße nicht vom Tisch
HENNIGSDORF (mo)
Was die städtebauliche Entwicklung des Hennigsdorfer Stadtteils Nieder Neuendorf betrifft, ist die geplante Umgehungsstraße der wohl größte Brocken. Sowohl die Bürgerproteste, aber vor allem die Kosten trugen dazu bei, dass das Projekt Umgehungsstraße vorerst auf Eis liegt.
Mit dem neuesten Bericht über den Sachstand zur Entwicklung des Ortsteils, den Projektleiter Daniel Stenger sowohl im Bau- als auch im gestrigen Hauptausschuss der Stadt abgab, kam das Thema aber erneut auf den Tisch. Laut Stenger ist die Planung der Umgehungsstraße in nächster Zeit von Seiten des Landes nicht vorgesehen. Planerin Jutta Pauluhn ergänzte auf die Anfrage, dass sie aber weiterhin auf der Dringlichkeitsliste des Landes stehe.
Die Vorplanung und auch eine Umweltstudie liegen vor, sagte Pauluhn. Das Planfeststellungsverfahren wäre also der nächste Schritt im Falle der Realisierung der Umgehungsstraße. Um Klarheit zu schaffen, hatte Jutta Pauluhn bereits vor mehr als einem Monat eine entsprechende Anfrage an das Ministerium gestellt, bisher aber keine Antwort erhalten.
Was die Straßenbauarbeiten betrifft, haben die Nieder Neuendorfer in den kommenden Monaten dennoch einiges vor sich. Nicht nur die Verbreiterung der Waldmeisterstraße (wir berichteten) wurde gestern während der Sitzung des Hauptausschusses einstimmig besiegelt, sondern auch die Errichtung öffentlicher Steganlagen. Der Bau des Wiesen-
und Bahnhofswegs sowie des Uferwegs ist unter anderem ebenfalls für dieses Jahr vorgesehen.
Laut Stenger ist das Gros des Straßenbaus - von der Dahlienstraße über den Oberjägerweg bis Zur Baumschule - aber so gut wie abgeschlossen. Schule und Kita sowie der Sportplatz und das Nieder Neuendorfer Ortsteilzentrum sind ebenfalls fertiggestellt.
Für die so genannte Entwicklungsmaßnahme Nieder Neuendorf wird es nun keine Gelder mehr aus dem städtischen Haushalt geben. Obwohl das Gros der Grundstücke einen Eigentümer gefunden hat, wird die Entwicklungsmaßnahme aber über 2008 hinaus laufen, schätzte Stenger gestern ein. Grund sind noch laufende Normenkontrollverfahren. Andere Flächen liegen noch brach, weil ein Restitutionsverfahren anhängig war. Das betrifft auch die Fläche an der Bahnhofstraße gegenüber dem Netto-Markt. Das Verfahren ist laut Stenger aber inzwischen zugunsten der Alteigentümer entschieden worden. Nun stünden Gespräche mit den Besitzern an. Im Verlauf der Bahnhofsstraße hinter dem Supermarkt gebe es derzeit aber kaum noch freies Bauland. Nur drei der insgesamt 36 Grundstücke sind dem Projektleiter zufolge noch nicht verkauft worden. Unstrittig, was den Eigner angeht, ist laut Stenger auch die Fläche, auf dem der alte Konsum steht. Das Grundstück sei verkauft worden. Die Gebäude wolle der neue Eigentümer abreißen. Was genau auf dieser Fläche entstehen soll, konnte Stenger gestern noch nicht sagen.

Märkische Allgemeine Zeitung, 08.10.2005

Maut-Alarm in Hennigsdorf

Straße gilt als Schleichweg für Lastwagen / Zahlen liegen noch nicht vor
MARTIN USBECK
HENNIGSDORF/POTSDAM Hanna Baeker schüttelt den Kopf. "Der ganze internationale Warenverkehr schlängelt sich durch unsere Ortschaft." Die 83-Jährige hat ihr Leben lang an der Dorfstraße im Hennigsdorfer Ortsteil Nieder Neuendorf (Oberhavel) gewohnt. "Man kommt nicht einmal mehr über die Straße. Die Ruhe ist dahin." Unter den Anwohnern gilt als sicher, dass die im Januar eingeführte Lkw-Maut schuld an der Misere ist: Um die Maut zu sparen, verlassen die Brummis die Autobahn und nutzen die Dorfstraße als Schleichweg.
Der Straßenzug in Hennigsdorf, der offiziell die Bezeichnung "Landesstraße (L) 172" führt, taucht auf einer gestern vorgelegten Liste des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) auf, in der 61 durch die Lkw-Maut besonders belastete Bundes-, Landes- und Kreisstraßen aufgeführt werden. Grundlage der Liste sind Fragebögen, in denen sich Anwohner der Straßen über Lärm, Abgase und Staus beschweren. 2000 Fragebögen hat der VCD ausgewertet. Mit 110 registrierten Beschwerden landet die "L172" bundesweit auf Platz vier. Das sind 80 Prozent aller Beschwerden, die aus der Region überhaupt beim VCD eingegangen sind. Als "zweitschlimmste" Brandenburger Straße folgt die Bundesstraße 1 von Frankfurt (Oder) nach Berlin mit elf Nennungen in respektablem Abstand.
Allerdings gibt der VCD selbst zu, dass die Umfrage nicht repräsentativ ist. Die Fragebögen seien über die Mitgliederzeitung, per Internet oder auf der Straße verteilt worden, sagt VCD-Sprecher Daniel Kluge. Das Ergebnis sei von daher "ein bisschen dem Zufall überlassen". Und dem persönlichen Engagement: In Hennigsdorf
kämpft eine Bürgerinitiative seit Jahren für den Bau einer Umgehungsstraße. Beim Land sei die L172 bisher nicht als besonders problematisch aufgefallen, sagt der Sprecher des Potsdamer Verkehrsministeriums, Lothar Wiegand. Die Ergebnisse der Verkehrszählungen habe man dem Bundesverkehrsministerium zugeleitet, das bis Jahresende eine Untersuchung vorlegen will, welche Straßen durch die Maut über Gebühr belastet werden. Dort könnte dann von 2006 an ebenfalls eine Maut erhoben werden.
Um eine solche Maßnahme zu rechtfertigen, müsse auf einem Straßenzug "eine erhebliche Zunahme des Lastwagen- Verkehrs" zu verzeichnen sein, die eindeutig auf die Maut zurückzuführen sei, erläutert Wiegand. Die Schmerzgrenze setzt das Ministerium bei 1500 Lastwagen pro Tag an. Straßensperrungen wie in anderen Ländern werde es in Brandenburg nicht geben, so Wiegand. "Damit würden wir nur den normalen Wirtschaftsverkehr bestrafen". Zum Beispiel den Kieslaster, der täglich seine Fuhre von der örtlichen Kiesgrube holt.
Die von den Anwohnern registrierten Belastungen seien "rein subjektiv gefühlte Werte", sagt Eberhard Tief vom Landesverband des Verkehrsgewerbes Berlin-Brandenburg (LBBV). Es könne sein, dass einfach mehr Laster führen, weil die Konjunktur wieder besser laufe. Selbst eine Verdoppelung des Lkw- Verkehrs in einer Ortschaft sage für sich allein nichts aus. "Vielleicht fahren dort jetzt zehn statt fünf Laster pro Stunde durch.". Im Übrigen rechne es sich nicht, für längere Strecken auf Landstraßen auszuweichen. Rote Ampeln und höherer Spritverbrauch kosteten mehr, als die Einsparung der Maut bringe, so Tief.

Märkische Allgemeine Zeitung, 18.02.2005

Scharfe Kritik an Bürgerinitiative BON

Eckehard Hinke: Sie vertritt egoistische Interessen und torpediert die Umgehung
HENNIGSDORF Deutliche Worte des Abgeordneten Eckehard Hinke (SPD) in der Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch zum Thema Ortsdurchfahrt in Nieder Neuendorf. Die schweren Unfälle in Nieder Neuendorf hätten nichts damit zu tun gehabt, dass es dort keine Tempo-30-Zone gebe. Sie ereigneten sich auf dem Fußgängerüberweg und seien allein auf menschliches Versagen zurückzuführen gewesen. Die Bürgerinitiative BON vertrete "egoistische Interessen gegenüber dem Land" und hat die ortsnahe Umgehung von Nieder Neuendorf torpediert", sagt Eckehard Hinke.
Er lehnt das "Tauschgeschäft" mit dem Land, wonach die L 172 zur Gemeinde straße umgewidmet und dafür Tempo 30 für Nieder Neuendorf erwirkt werden sollen, ab: "Wo bleibt die Gleichbehandlung? Dann könnten auch die Anwohner der Hauptstraße Tempo 30 vor ihrer Haustür beantragen!" mb

Oranienburger Generalanzeiger, 18.02.2005

L 172: Ein Thema ohne Ende

Beschlüsse gefasst in Hennigsdorf
Von Andrea Linne
HENNIGSDORF o Die L 172, die von der Berliner Stadtgrenze bis zur Hauptkreuzung in Hennigsdorf an der Hauptstraße/Ruppiner Straße reicht, soll eine Gemeindestraße werden. Ziel ist die Verkehrsberuhigung.
Der Beschluss, den die Stadtverordneten am Mittwochabend fassten, lässt dennoch viel Spielraum für Entscheidungen oder Ablehnungen zu. Denn für die Verhandlung mit dem Land zur Umwidmung der Landes- in eine Gemeindestraße muss die Stadtverwaltung jetzt eine Menge Hausaufgaben machen. Beinahe jeder Stadtverordnete hatte eine eigene Meinung dazu - und auch eigene Anträge.
Am Klarsten formulierte Ekkehard Hinke (SPD) seine Vorstellungen, die sich auch deutlich von anderen aus seiner Fraktion abhoben. Hinke lehnte das "Tauschgeschäft" mit dem Land klar ab. Er forderte auch alle anderen auf, die Straße nicht dem Haushalt Hennigsdorfs aufzubürden. Was sei mit dem Wunsch von Anliegern anderer Straße in Hennigsdorf? Es gebe viele ungeklärte Fragen: Zum Beispiel die zur Ortsumgehung. "Eine ortsferne Umgehung ist unzweckmäßig für Nieder Neuendorf. Außerdem ist es das Verdienst der Bürgerinitiative BON, dass eine Umgehung überhaupt in weite Ferne gerückt ist." Die L 172 werfe nicht mehr oder weniger Probleme auf als andere Landesstraßen in anderen Orten. Wenn die Stadt die Straße übernimmt, werde es gar keine Umgehung mehr geben, weil die Stadt
diese dann wohl bezahlen müsse.
Dennoch setzte sich die CDU-Fraktion mit einem Passus im Beschluss durch, der lautet: "Nach der Umwidmung der L 172 sollte das Projekt Ortsumgehung mit Nachdruck weiterverfolgt werden." Zur Finanzierung gab es keine Aussage. Beschlossen wurde außerdem - die Inhalte lieferte wesentlich die Fraktion BürgerBündnis die L 172 umzuwidmen und zu beruhigen. Die dazu erforderlichen Straßenbaumaßnahmen sollen mit dem Land vereinbart werden. Ziel sei die Reduzierung der Geschwindigkeit auf Tempo 30, zumindest für den Abschnitt Havelkanalbrücke bis Stadtgrenze Berlin. Das vorgeschlagene Nachtfahrverbot für Lkw wurde auf Antrag der SPD abgewiesen. Es sei, so Fraktionschef Thomas Günther, schädlich für den Industriestandort.
Bürgermeister Andreas Schulz (SPD) hielt sich gänzlich heraus. In einem Pressegespräch hatte er jedoch erläutert, dass auch mit der Umwidmung nicht klar sei, ob Tempo 30 vom Straßenverkehrsamt des Kreises angeordnet werde. Vor einer Umwidmung wolle er auf nötige Umbauten der Landesstraße dringen. Dazu gehören - laut PDS in der Stadtverordnetenversammlung - das Halten an der Kita "Spatzennest", die fehlenden Abbiegespuren zur Edisonstraße sowie zu Bombardier und vieles mehr. Die FDP unterstützte das, forderte partielle Tempo-30-Bereiche und mehr Verkehrsinseln.

Berliner Zeitung, 23.05.2005

Umfahren der Maut soll gestoppt werden

Stolpe fordert Maßnahmen von Städten und Ländern
BERLIN, 22. Mai. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) will den Ausweichverkehr von Lastkraftwagen auf Landstraßen zur Umgehung der seit Jahresbeginn erhobenen Maut-Gebühr eindämmen. Stolpe appellierte an Bürgermeister und Landesregierungen, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Spediteure und der Automobilclub von Deutschland (AvD) kritisierten den Appell. Als mögliche Schritte nannte Stolpe Geschwindigkeitsbegrenzungen für den Lkw-Verkehr, Nachtfahrverbote und Umleitungen des Schwerlastverkehrs. Die Straßenverkehrsordnung erlaube beispielsweise ein Lkw-Fahrverbot in Ortschaften, wenn dadurch Sicherheit und Ordnung gefährdet seien oder die Bürger vor Lärm und Abgasen geschützt werden müssen.
Ein gelungenes Beispiel sei die ab 31. Mai geplante Sperrung der Bundesstraße B 9 zwischen Mainz und Worms für schwere Lkw.
Die Lkw-Maut gilt seit Anfang 2005 auf deutschen Autobahnen.
Die monatlichen Maut-Einnahmen kletterten von 209 Millionen Euro im Januar auf 248 Millionen Euro im April. Die Quote der Mautpreller liegt unter drei Prozent, was Stolpe auf die Effektivität der Kontrollen zurückführt. Um das Problem des Ausweichverkehrs in den Griff zu bekommen, hatte Stolpe Anfang Mai eine Lkw-Maut für bestimmte Bundesstraßen ins Spiel gebracht.
Heftige Kritik an Stolpes Aussagen kam vom Bundesverband Güterkraftverkehr. Dessen Hauptgeschäftsführer Karlheinz Schmidt sagte, die Polizei könne Fahrverbote gar nicht flächendeckend kontrollieren. Der Autoclub AvD wertete Stolpes Appell als „Ohnmachtserklärung". Das Problem hätte vermieden werden können, wenn die Maut überall gelten würde, (ddp)

Märkische Allgemeine Zeitung, 03.05.2005

Demo an der Ampel

Bürgerinitiative macht mobil für Verkehrsberuhigung
NIEDER NEUENDORF« Zu einer Demonstration für mehr Verkehrssicherheit hat die Bürgerinitiative Ortsumgehung Nieder Neuendorf (BON) für kommenden Mittwoch, 9. Februar, aufgerufen. Treffpunkt ist um 17.30 Uhr an der Fußgängerampel in der Dorfstraße nahe der Kirche.
Dort hatte sich am 18. Januar ein schwerer Verkehrsunfall ereignet. Zwei Fußgängerinnen waren von einem Pkw erfasst worden. Eine der Frauen erlitt schwere Verletzungen. Bereits im Oktober 2003 hatte an derselben Stelle ein Pkw-Fahrer die rote Ampel übersehen und zwei Mädchen schwer verletzt.
BON-Vorsitzende Stefanie Jahn fordert deshalb: „Die Stadt Hennigsdorf muss jetzt handeln, um die Sicherheit der Fußgänger zu gewährleisten." Die Bürgerinitiative unterstütze die Verhandlungen mit dem Land zur Umwandlung der Ortsdurchfahrt in eine kommunale Straße. „Wir befürchten jedoch, dass die Stadt durch Übertriebene Forderungen die Übergabe
verzögert", erklärte Stefanie Jahn.
Außerdem fehle ein Bekenntnis der Stadt zur Umsetzung von Verkehrsberuhigungsmaßnahmen auch ohne ortsnahe Umgehung.
Die Bürgerinitiative macht sich seit ihrer Gründung im Dezember 2001 für die Verkehrsberuhigung in Nieder Neuendorf stark. Sie hat zugleich mobil gemacht gegen die von der Stadt favorisierte ortsnahe Umgehungsstraße. Die vorgesehene Demonstration für mehr Verkehrssicherheit in Nieder Neuendorf soll den Forderungen zusätzlichen Nachdruck verleihen. Zu der Aktion rufen die Bürgerinitiative BON und der Nieder Neuendorfer Pfarrer Siegfried Haff auf.
„Wir wollen die Stadt aus Ihrer Lethargie reißen", betont Stefanie Jahn. Die Verwaltung müsse jetzt handeln und nicht erst dann, wenn noch mehr passiert ist. In Nieder Neuendorf formiere sich der Protest gegen die Langsamkeit der Verantwortlichen in der Stadtverwaltung und im Stadtpalament, erklärte die BON-Vorsitzende. ub

Der Havelländer, 27.04.2005

Ein Strich auf der Karte

Nieder Neuendorfer Ortsumfahrung könnte durch Schönwalde führen
SCHÖNWALDE-GLIEN
Ein Bürger brachte es mit wenigen Worten auf den Punkt -„Der Plan ist so abwegig, dass ich vor nicht einmal Angst; habe." Er meinte damit eine Umgehungsstraße für Nieder Neuendorf, mit der der Verkehrslärm nach Schönwalde-Glien umgelenkt würde. Etwa 80 Einwohner dieses Ortes spendeten am Donnerstagabend, im voll besetzten Gemeindesaal Beifall.
Die Anwohner waren einer Einladung der SPD-Fraktion gefolgt, auf der der Landtagsabgeordnete Heiko Müller den Bürgern, letztlich die Ängste nahm. «Das Problem von Nieder Neuendorf kann nicht über und nicht durch Schönwalde gelöst werden. Keine Gebietskörperschaft spricht sich für eine große Umfahrung aus und Geld ist auch keines vorhanden."
Die Ängste der Anwohner aber waren nicht unberechtigt. Neben der kleinen, direkt an Nieder Neuendorf vorbei führenden Ortsumgehung taucht auf den Karten der Verkehrsplaner auch die große Umgehung auf, die in Schönwaide-Siedlung vorbei an den nach Vogelarten bemannten Steigen in Richtung Schönwalde-Dorf zur Landesstraße 20 führt Frank Schmidt vom Landesbetrieb für Straßenwesen erklärte dies mit dem Landesstraßenbedarfsplan, der alle zehn Jahre fortgeschrieben wird.
Mitte der 1990er Jahre sei der entsprechende „Strich in der Landschaft" mit aufgenommen worden. Es habe sich um Vorstellungen der
Bürgerinitiative „Ortsumgehung Nieder Neuendorf" gehandelt.
Gegen deren Vertreter, die der Einladung gleichfalls gefolgt waren, richtete sich anfangs der Zorn der Schönwalder. Deren Sprecherin aber, Stefanie Jahn, stellte die Lage offen und unverblümt dar: „Der Verkehr durch Nieder Neuendarf und damit durch Hennigsdorf wird auf 12 000 Fahrzeuge, pro Tag wachsen, und davon sind 6000 Lkws. Wir suchen, wir brauchen eine Entlastung.
Eine kurze, lediglich an Nieder Neuendorf vorbei nach Hennigsdorf führende Umgehung kann nicht die Lösung sein." Schönwaldes Bürgermeister Bodo Oehme ist das Ganze suspekt. Die kleine Örtsumfahrung ist aufgrund des Wirkens der Nieder Neuendorfer nicht mehr in der Planung, sagte er. Und damit stehe nur noch die große im Raum. Zudem sei seine direkt betroffene Gemeinde in all den Jahren kein einziges Mal befragt worden.
Und dennoch, die 80 Schönwalder verließen den Saal erleichtert. Sie wüssten jetzt, dass die Planungen bislang nur einen Strich auf der Karte darstellen. Und der Landtagsabgeordnete Heiko Müller sagte hoffnungsvoll: „Bei den Bedarfsplanungen werden stets mehr Projekte angemeldet als sich realisieren lassen.
Für die große Umgehung gibt es niemanden, der sich massiv für sie einsetzt." - Die Bürgerinitiative schwieg bei diesem Satz.

Oranienburger Generalanzeiger, 20.04.2005

BON zum Tag des Lärms

HENNIGSDORF(li). Die Bürgerinitiative Ortsumgehung Nieder Neuendorf [BON) erinnert in einer Mitteilung an den heutigen Tag gegen den Lärm. Sie ermutigt darin die Stadtverwaltung Hennigsdorf, die verkehrsberuhigenden Maßnahmen, die per Beschluss besiegelt worden waren, auch zügig umzusetzen. Lärm wirke sich negativ auf die Gesundheit und Lebensqualität aus, erinnert die Vorsitzende der Bl, Stefanie Jahn. Sie verweist auf eine Statistik der Deutschen Gesellschaft für Akustik, nach der ein Drittel aller Deutschen durch Lärm wesentlich belästigt werde. Noch immer sei die Tempo-30-Zone Dorfstraße Nieder Neuendorf nicht erreicht erinnerte Jahn, die in Abstimmungen mit dem Landes-Straßenbauamt verhandelt werden sollte. Das Motto: 15 Sekunden Ruhe um 14.15 Uhr am heutigen Tag solle auch in Nieder Neuendorf respektiert werden, fordert BON. Die Initiative steht neben der Forderung nach Tempo 30 für die Einführung eines Lkw-Nachtfahrverbotes. „Wir bauen auf das Entgegenkommen der Stadt", sagt Stefanie Jahn.

Oranienburger Generalanzeiger, 12.03.2005

Dorfstraße mit Geländer

Änderung in Nieder Neuendorf
HENNIGSDORF (li) • Eine wesentliche Änderung sei es, betonte Fachdienstleiter Dirk Asmus im Bauausschuss, und deshalb anzuzeigen. Denn der Ausbau der Nebenanlagen an der Dorfstraße in Nieder Neuendorf, der bereits im Oktober 2004 beschlossen worden war, wird verändert.
Die Stadt reagiert mit der Veränderung auch auf den jüngsten schweren Unfall vom Januar an der Fußgängerampel der Dorfstraße. Außerdem nutzen die Schulkinder die Straße Zur Baumschule als Schulweg und stoßen dort auf die Dorfstraße.
Vorgesehen war, im Abschnitt zwischen der Ampel und dem Baumschulen-Weg eine Hecke zu pflanzen und einen Grünstreifen auszusäen. Nun soll der gesamte Bereich „platzartig aufgepflastert" werden. Außerden sollen Anlehnbügel auf einer Länge von 24 Metern
zwischen Ampel und Dorfstraße Nummer 30 in den Boden kommen. Zwölf Fahrräder können künftig angeschlossen werden, rechnete Asmus vor.
Fußgänger, Radfahrer und Gewerbebetriebe in diesem Bereich sowie das Cafe sollen so unter einen Hut gebracht werden. Eine Laterne ist umzusetzen, um die Neugestaltung nicht zu behindern.
Die Veränderungen im Ausbau der westlichen Nebenanlage schlagen mit 4 000 Euro zu Buche, die laut Asmus als Ergebnis aus den günstigen Ausschreibungen finanziert werden könnten. Die Submission erfolgte bereits.
Ausgebaut wird die Straßenseite zwischen Ringpromenade und Bahnhofstraße.
Ein Radweg und ein Fußweg sollen kombiniert entstehen.

Oranienburger Generalanzeiger, 19.02.2005
Kommentar
Landstraße 172:

Widmungen

Nun ist es also heraus: Die Landesstraße 172, die seit dem Mauerfall das Berliner Umland mit der Hauptstadt verbindet - nicht zu vergessen das Prozedere, ehe es dazu kam - soll jetzt zu einer Dorfstraße zurückgewidmet werden. Ist das die Lösung?
Dass es sich an einer so stark befahrenen Ortsverbindung mächtig laut und gefährlich lebt, ist nicht gut zu heißen, aber dennoch in Deutschland kein Einzelfall. Schließlich fahren wir doch alle Auto, oder?
Kritisch zu betrachten bleibt der Standard der Ortsdurchfahrt, der sich nicht an den sonst im Land Brandenburg üblichen Landesstraßen-Ausbaukriterien messen lassen kann. Da muss man sich nur andere überörtliche Verbindungen ansehen. Deshalb sollte auch die Umgehung gebaut werden, die jedoch an den unterschiedlichen Ansichten über ihre Trassenführung und den mangelnden Finanzen des Landes scheiterte. Dennoch sollte man das Land nicht aus seiner Pflicht entlassen, dies auch zu tun.
Inzwischen wurde der hübsche Wohnstandort Nieder Neuendort mächtig entwickelt. Die vielen alten und noch mehr neuen Anwohner erhoffen sich - und der Druck auf die Stadt hat ausgereicht, um einen entsprechenden
Beschluss in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung herbeizuführen - mit der Abwidmung der Landes- in eine Gemeindestraße schnelle Entlastung. Manche denken sogar, dass die Verbindung am besten wieder geschlossen werden sollte, was zumindest die Exklusivität des Wohnens unterstreichen würde. Immerhin das Lkw-Nachtfahrverbot scheiterte. Schließlich ist Hennigsdorf der Industriestandort der Region überhaupt- und viele Firmen haben sich wegen der kurzen Wege nach Berlin angesiedelt.
Was wird die Stadt nun mit der Straße anfangen? Eine Lösung wird ihre Übernahme hinsichtlich einer Ortsumgehung garantiert nicht sein, weil sich selbst Hennigsdorf die nicht leisten kann. Und das Land kann sich genüsslich entspannen und ist aus der Pflicht, wenn ihm die Straße nicht mehr gehört.
Dafür bleiben an Hennigsdorf künftig alle Kosten hängen - vom Winterdienst bis zur Unterhaltung der Straße. Genutzt wird sie jedoch weiter als überörtliche Anbindung mit allen Lasten - und ob Tempo 30 auf ganzer Länge oder punktuell kommt, entscheidet noch immer das Straßenverkehrsamt des Kreises. Aber dem kann man sich dann ja verstärkt widmen. • Andrea Linne

Oranienburger Generalanzeiger, 18.02.2005

L 172: Ein Thema ohne Ende

Beschlüsse gefasst in Hennigsdorf
Von Andrea Linne
HENNIGSDORF • Die L 172, die von der Berliner Stadtgrenze bis zur Hauptkreuzung in Hennigsdorf an der Hauptstraße/Ruppiner Straße reicht, soll eine Gemeindestraße werden. Ziel ist die Verkehrsberuhigung.
Der Beschluss, den die Stadtverordneten am Mittwochabend fassten, lässt dennoch viel Spielraum für Entscheidungen oder Ablehnungen zu. Denn für die Verhandlung mit dem Land zur Umwidmung der Landes- in eine Gemeindestraße muss die Stadtverwaltung jetzt eine Menge Hausaufgaben machen. Beinahe jeder Stadtverordnete hatte eine eigene Meinung dazu - und auch eigene Anträge.
Am Klarsten formulierte Ekkehard Hinke (SPD) seine Vorstellungen, die sich auch deutlich von anderen aus seiner Fraktion abhoben. Hinke lehnte das „Tauschgeschäft" mit dem Land klar ab. Er forderte auch alle anderen auf, die Straße nicht dem Haushalt Hennigsdorfs aufzubürden.
Was sei mit dem Wunsch von Anliegern anderer Straße in Hennigsdorf? Es gebe viele ungeklärte Fragen: Zum Beispiel die zur Ortsumgehung. „Eine ortsfeme Umgehung ist unzweckmäßig für Nieder Neuendorf. Außerdem ist es das Verdienst der Bürgerinitiative BON, dass eine Umgehung überhaupt in weite Ferne gerückt ist." Die L 172 werfe nicht mehr oder weniger Probleme auf als andere Landesstraßen in anderen Orten.
Wenn die Stadt die Straße übernimmt, werde es gar keine Umgehung mehr geben, weil die
Stadt diese dann wohl bezahlen müsse.
Dennoch setzte sich die CDU-Fraktion mit einem Passus im Beschluss durch, der lautet: „Nach der Umwidmung der L 172 sollte das Projekt Ortsumgehung mit Nachdruck weiterverfolgt werden." Zur Finanzierung gab es keine Aussage. Beschlossen wurde außerdem - die Inhalte lieferte wesentlich die Fraktion BürgerBündnis - die L 172 unizuwidmen und zu beruhigen. Die dazu erforderlichen Straßenbaumaßnahmen sollen mit dem Land vereinbart werden. Ziel sei die Reduzierung der Geschwindigkeit auf Tempo 30, zumindest für den Abschnitt Havelkanalbrücke bis Stadtgrenze Berlin. Das vorgeschlagene Nachtfahrverbot für Lkw wurde auf Antrag der SPD abgewiesen. Es sei, so Fraktionschef Thomas Günther, schädlich für den Industriestandort. Bürgermeister Andreas Schulz (SPD) hielt sich gänzlich heraus. In einem Pressegespräch hatte er jedoch erläutert, dass auch mit der Umwidmung nicht klar sei, ob Tempo 30 vom Straßenverkehrsamt des Kreises angeordnet werde. Vor einer Umwidmung wolle er auf nötige Umbauten der Landesstraße dringen. Dazu gehören - laut PDS in der Stadtverordnetenversammlung - das Halten an der Kita „Spatzennest", die fehlenden Abbiegespuren zur Edisonstraße sowie zu Bombardier und vieles mehr. Die FDP unterstützte das, forderte partielle Tempo-30-Bereiche und mehr Verkehrsinseln.

Märkische Allgemeine Zeitung, 18.02.2005

Scharfe Kritik an Bürgerinitiative BON

Eckehard Hinke: Sie vertritt egoistische Interessen und torpediert die Umgehung
HENNIGSDORF • Deutliche Worte des Abgeordneten Eckehard Hinke (SPD) in der Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch zum Thema Ortsdurchfahrt in Nieder Neuendorf. Die schweren Unfälle in Nieder Neuendorf hätten nichts damit zu tun gehabt, dass es dort keine Tempo-30-Zone gebe. Sie ereigneten sich auf dem Fußgängerüberweg und seien allein auf menschliches Versagen zurückzuführen gewesen. Die Bürgerinitiative BON vertrete egoistische Interessen gegenüber dem Land und hat die ortsnahe Umgehung von Nieder Neuendorf torpediert", sagt Eckehard Hinke.
Er lehnt das "Tauschgeschäft" mit dem Land, wonach die L 172 zur Gemeindestraße umgewidmet und dafür Tempo 30 für Nieder Neuendorf erwirkt werden sollen, ab: „Wo bleibt die Gleichbehandlung? Dann könnten auch die Anwohner der Hauptstraße Tempo 30 vor ihrer Haustür beantragen!" mb

Oranienburger Generalanzeiger, 11.02.2005

L 172 für Lkw tabu?

Antrag des BürgerBündnisses in der Stadtverordnetenversammlung
Von Andrea Linne
HENNIGSDORF • Die Diskussion geht weiter. Nach der Demonstration auf der Landstraße 172 in Nieder Neuendorf am Mittwochabend sind sich Anlieger, Mitstreiter der Bürgerinitiative BON sowie Stadtverordnete zumindest in einem Punkt einig: Es muss etwas passieren.
Damit sind nicht die Unfälle gemeint, die immer wieder - zuletzt am 18. Januar - die Nieder Neuendorfer erschütterten, sondern die Aktionen, die zu einer Verkehrsberuhigung führen könnten.
Mit einem Antrag geht das BürgerBündnis in die nächste Stadtverordnetenversammlung. Neben der Umwidmung der Landes- in eine Gemeindestraße fordern die Fraktionsmitglieder eine Tempo-30-Begrenzung sowie ein Durchfahrtsverbot für Lkw.
Man wolle damit nicht die in Nieder Neuendorf lebenden Lkw-Fahrer strafen, sondern die Durchfahrer, die auch über die Autobahn in die Stadt gelangen könnten, betonte Fraktionschef Horst Brandenburg während der Demo.
Zahlreiche Speditionsunternehmen, darunter
die Deutsche Post mit ihrem Verteilerzentrum und viele Industriebetriebe, nutzen die kurze und schnelle Anbindung in die Hauptstadt Berlin. Die Straße ist schmal und nicht für die Begegnung zweier Lkw oder Schwerlaster mit Bus ausgelegt. Deshalb gab es auch immer die Forderung nach einer Umgehungsstraße.
Nach einem Streit um eine ortsnahe oder fernere Umgehung - BON ist für die Umfahrung von Schönwalde-Bötzow und Hennigsdorf - zog sich das Landesamt für Straßenwesen aus Nieder Neuendorf zurück. Außerdem fehlt dem Land das Geld, weshalb Bürgermeister Andreas Schulz (SPD) davon ausgeht, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren keine Umgehung gebaut wird.
Ob mit der Umwidmung, die gerade erst in Teilschritten und Gesprächen vorbereitet wird, eine Beruhigung der Straße möglich ist, wird vom Verhandlungsgeschick der Verwaltung abhängen. Und vom Druck der Bürgerinitiative. Sprecherin Stefanie Jahn: „Wir müssen dranbleiben und immer wieder auf die Probleme im Ort aufmerksam machen."

Märkische Allgemeine Zeitung, 10.02.2005

Druck machen für Tempo 30

Demo in Nieder Neuendorf
NIEDER NEUENOORF • Eine gute halbe Stunde lang ging gestern Abend auf der Nieder Neuendorfer Dorfstraße gar nichts. Etwa 120 Kundgebungsteilnehmer waren der Aufforderung der Bürgerinitiative BON gefolgt und demonstrierten mitten auf dem Fußgängerüberweg für Tempo 30. BON-Sprecherin Stefanie Jahn erinnerte an den schweren Unfall, der sich vor drei Wochen an dieser Stelle ereignet hatte. An der Fußgängerampel waren zwei Frauen von einem Pkw angefahren worden. Der Landesbetrieb für Straßenwesen hat jetzt den Umbau der Lichtsignalanlage - die Errichtung einer zusätzlichen Ampel über der Fahrbahnmitte - in Auftrag geben. „Die beste Lösung, die kurzfristig erreicht werden konnte", befand Stefanie Jahn.
Doch die Forderungen der Bürgerinitiative gehen viel weiter. Sie verlangt bereits seit Jahren Tempo 30 und ein Nachtfahrverbot für Lkw.
Möglicherweise ist man dem Ziel jetzt näher gekommen.
Die Stadt verhandelt derzeit mit den Landesbehörden über die Übernahme der Landesstraße und Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung. Die Bürgeriniative will dabei Druck machen. „Das ganze kann Monate dauern", so Jahn. „Wir fordern, die Verkehrsberuhigung sofort umzusetzen."
Angesichts der sehr emotionalen Debatte der vergangenen Tage mahnte auch Pfarrer Siegfried Haff zur Sachlichkeit. „Positiv ist, dass wir eine Diskussion entfacht haben. Wir wollen der Stadt jedoch nicht in den Rücken fallen, sondern ihre Positionen bei den Verhandlungen stärken."
Haff forderte die Stadt auf, die Bürgerinitiative ernst zu nehmen und mit ihr in Kontakt zu treten.
Stadtverordneter Horst Brandenburg vom Bürgerbündnis sprach die Hoffnung aus, dass der erneute Antrag seiner Fraktion zur Verkehrsberuhigung eine deutliche Mehrheit findet. Ziel sei es, den Durchgangsverkehr durch Nieder Neuendorf zu reduzieren. ub

Oranienburger Generalanzeiger, 10.02.2005

Tempo 30 gefordert

Demonstration in Nieder Neuendorf
Von Andrea Linne
HENNIGSDORF • Tempo 30 auf der Dorfstraße in Nieder Neuendorf ist die zentrale Forderung der Bürgerinitiative BON. Diese und weitere Ansätze kamen während einer Demonstration gestern Abend zur Sprache.
Bisher wurden alle Anträge - von der Stadtverordnetenversammlung und von BON - vom Straßenverkehrsamt abgelehnt. Denn die Dorfstraße ist Landesstraße und verbindet Hennigsdorf mit Berlin.
Deshalb erhoffen sich nun alle Einwohner von der Umwidmung der Verbindung in eine Gemeindestraße schnellere und bessere Lösungen im Ortsteil. Zumindest sah das Sprecherin Stefanie Jahn so.
„Allein Tempo 30 würde den Verkehr nicht nur langsamer machen, sondern auch weniger Fahrzeuge anlocken." Außerdem sollte die
Begrenzung von einem Durchfahrtsverbot für Lkw flankiert werden.
Tatsächlich verhandeln Stadt und bisheriger Baulastträger, das Landesamt für Straßenwesen Eberswalde, über eine Rückstufung der Dorfstraße. Wie Niederlassungsleiterin Kerstin Finis-Keck mitteilte, werde ein Termin beim Verkehrsministerium angestrebt. Eine Entwidmung könne nur der Minister vornehmen, der auch einem Positionspapier zwischen den Beteiligten, das im Entwurf vorliegt, zustimmen müsste.
Den Einwohnern dauere das alles zu lange, so Stefanie Jahn. „Wir müssen sofort etwas tun", forderte sie. Weitere Unfälle dürften nicht toleriert werden. Die Verkehrsberuhigung wird auch in der nächsten Stadtverordnetenversammlung am 16. Februar diskutiert.

Oranienburger Generalanzeiger, 10.02.2005

Nieder Neuendorfer wollen nicht ruhen

Demonstration auf der Dorfstraße / Neue Ampel in drei Wochen
Von Andrea Linne
HENNIGSDORF • Mehr als hundert Einwohner trafen sich gestern zu einer 40-minütigen Demonstration auf der Nieder Neuendorfer Dorfstraße und legten damit den Berufsverkehr lahm. Aufgerufen hatte die Bürgerinitiative Ortsumgehung Nieder Neuendorf (BON), die seit gut drei Jahren für eine Entlastung in dem Dorf bei Hennigsdorf streitet.
Bisher wurden jedoch alle Anträge auf Tempo 30, auf ein Lkw-Durchfahrtsverbot oder mehr Übergänge abgelehnt.
Ein schwerer Unfall im Januar - nicht der erste auf der Landesstraße 172 - brachte die BI wieder in Bewegung.
„Wir fordern von der Stadt, aktiv zu werden und sofort für verkehrsberuhigende Maßnahmen einzutreten", sagte BON-Sprecherin Stefanie Jahn.
Das unterstützte auch Pfarrer Siegfried Haff, der keine unlauteren Absichten, wie zuletzt von dem SPD-Stellvertreter Udo Hoffmann öffentlich unterstellt, erkennen konnte. Stattdessen solle die Stadt auf die Hinweise der BI reagieren, sie ernst nehmen und verarbeiten. „Das ist Demokratie", mahnte Haff.
Zahlreiche Politiker hatten den Weg in den Ortsteil gefunden, darunter der CDU-Ortsvorsitzende Ingmar Pering und der stellvertretende Bürgermeister der Stadt, Martin Witt(SPD).
Horst Brandenburg (Bürger-Bündnis) mahnte, weiterzumachen und nicht aufzuhören: „Wir müssen handeln."
Indes bestätigt die Eberswalder Niederiassungsleiterin vom Landesamt für Straßenwesen, Kerstin Finis-Keck, dass in drei Wochen eine neue Ampel an der Dorfstraße installiert wird.

Märkische Allgemeine Zeitung, 10.02.2005
Leserpost
Zu „In die Irre geleitet", 8. 2., S. 18

An wen soll man sich wenden?

Herr Hoffmann, an wen soll man sich wenden, wenn eine Gefahrenstelle, hier der Ampelbereich in der Dorfstraße in Nieder Neuendorf, bekannt ist und augenscheinlich keine Veränderung eintritt? Die Frage der Untätigkeit steht doch nicht zu Unrecht. Was wurde denn von Seiten der Stadt bis heute in diesem Bereich getan, warum gibt es dort keine Tempo-30-Zone?
Tempo 30 verhindert zwar auch keine Unfälle, vermindert jedoch wesentlich größere Schäden, bedeutet Verkehrsberuhigung. Wäre die Autofahrerin 30 gefahren, wären die Rotphasen der Ampel für Autofahrer und Fußgänger jeweils länger geschaltet, vielleicht wäre nichts passiert.
Was wurden denn für Maßnahmen nach dem
ersten schweren Verkehrsunfall mit zwei verletzten Kindern ergriffen?
Bis heute keine sichtbaren! Sind die von BON, Pfarrer Haff, den Anwohnern und sicherlich auch die von der Stadt gewünschten verkehrsberuhigenden Maßnahmen nicht ein gemeinsames Ziel? Woher dann Ihre Theorie der Irreführung, des Missbrauchs seitens der Veranstalter der Kundgebung? Welcher Missbrauch, wofür, für sichere Wege?
Bitte bedenken Sie, Herr Hoffmann, diese Ampel ist offizieller Schulweg! Allein aus diesem Grunde besteht höchster Handlungsbedarf im Sinne einer Beruhigung.
Thomas Zobel,
Nieder Neuendorf

Wochenspiegel, 09.02.2005

Demo für Verkehrssicherheit

• Hennigsdorf (WS/wü). Der Verkehrsunfall am 18. Januar, bei dem zwei Fußgängerinnen von einem Pkw erfasst und schwer verletzt wurden, hat viele Nieder Neuendorfer erschüttert. Erinnerungen an den Oktober 2003 wurden wach. Auch damals überfuhr ein Auto die rote Ampel und verletzte zwei Madchen schwer. Stefanie Jahn, Vorsitzende der Bürgerinitiative BON, fordert: „Die Stadt Hennigsdorf muss jetzt handeln, um die Sicherheit der Fußgänger zu gewährleisten. Dabei unterstützen wir die Verhandlungen mit dem Land zur Umwandlung der Ortsdurchfahrt in eine kommunale Straße." Die Bürgerinitiative macht sich für die Verkehrsberuhigung und gegen die geplante ortsnahe Umgehungsstraße stark. Eine Demonstration für mehr Verkehrssicherheit soll den Forderungen nun Nachdruck verleihen. „Wir wollen die Stadt aus ihrer Lethargie reißen", betont Stefanie Jahn. „Sie muss jetzt handeln und nicht erst dann, wenn noch mehr passiert ist." Die Demonstration findet am heutigen Mittwoch 9. Februar, um 17.30 Uhr statt Treffpunkt ist die Fußgängerampel an der Nieder Neuendorfer Kirche.

Oranienburger Generalanzeiger, 09.02.2005

Stadt könnte Straße übernehmen

Schulz zu Demo in Nieder Neuendorf
Von Andrea Linne HENNIGSDORF • Ein schlimmer Unfall mit zwei schwer verletzten Frauen hat die Diskussion um Verkehrsberuhigungen im Ortsteil Nieder Neuendorf neu entfacht. Die Bürgerinitiative BON lädt heute zur Demonstration ein. Bürgermeister Andreas Schulz (SPD) fordert eine Versachlichung der Diskussion.
Denn der Unfall hat für das Stadtoberhaupt nichts mit der Diskussion um eine Ortsumgehung oder eine Beruhigung an der Dorfstraße zu tun. „Der Unfall geschah an der wahrscheinlich sichersten Stelle, nämlich an der Fußgängerampel, und ist wohl auf menschliches Versagen zurückzuführen", bedauert Schulz ausdrücklich das Geschehene. Er bittet jedoch die Bürgerinitiative Ortsumgehung Nieder Neuendorf (BON) zu den sachlichen Argumenten zurückzukehren. Er sagt: „Der Unfall ist ungeeignet, ihn zum Ausgangspunkt verkehrspolitischer Diskussionen zu machen."
So gibt es einen Antrag der Fraktion BürgerBündnis an die nächste Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch, 16. Februar, den Streckenabschnitt der Landstraße 172 zwischen Havelkanalbrücke und südlichem Ortsausgang in Richtung Spandau in eine Gemeindestraße umzuwidmen. „Der Antrag ist im Kern nachvollziehbar und richtig", sagt Andreas Schulz. Dennoch werde es keine Teil-Entscheidung für die L 172 geben. Stattdessen sei es eine
Überlegung wert - begleitet von Entscheidungen der Stadtverordnetenversammlung - die Straße auf ganzer Länge in eine Gemeindestraße zu widmen. Das sei jedoch der zweite vor dem ersten Schritt, betont Schulz. Vielmehr komme es nach allen Ablehnungen des hiesigen Straßenverkehrsamtes zu beruhigenden Maßnahmen wie Tempo 30 im Ortsteil Nieder Neuendorf darauf an, geschickt mit den Landesbehörden und dem Verkehrsministerium zu verhandeln. Dazu gehörten auch einige Maßnahmen, die die Straße im gesamten Stadtgebiet entlasten sollen. Schulz nennt Linksabbiegespuren in Gewerbegebiete oder neue Ampeln an Knotenpunkten.
Mit der Umgehungsstraße zu rechnen - egal in welcher Ausführung - hält der Bürgermeister nicht für angemessen.
„In den nächsten fünf bis zehn Jahren sehe ich keine Umsetzung dieses Wunsches." Es sei auch ein Trugschluss zu glauben, dass mit der Umwidmung alle Anträge beim Straßenverkehrsamt von Erfolg gekrönt würden. Wahrscheinlich, mutmaßt der Bürgermeister, seien dafür Anordnungen von oberer verkehrsbehördlicher Stelle nötig. Er forderte, nicht eine lange Wunschliste für Nieder Neuendorf aufzumachen, sondern „einen realistischen Korridor für tatsächlich verhandelbare Ergebnisse herauszufiltern".

Oranienburger Generalanzeiger, 09.02.2005

L 172 als Gemeindestraße?

Nieder Neuendorfer Bürgerinitiative fordert mit Demonstration die Verkehrsberuhigung
von Andrea Linne HENNIGSDORF • Die Bürgerinitiative Ortsumgehung Nieder Neuendorf ruft für heute zu einer Demonstration durch den Ortsteil auf, um nach einem Unfall mit zwei Schwerverletzten verkehrsberuhigende Maßnahmen zu fordern.
Bürgermeister Andreas Schulz (SPD) hingegen erklärt, dass man zur Sachlichkeit zurückkehren solle. Unterstützung erhält er von dem SPD-Landtagsabgeordneten und SPD-Fraktionschef in der Stadtverordnetenversammlung, Thomas Günther.
Der Unfall, so Schulz, dürfe nicht zu verkehrspolitischen Diskussionen missbraucht werden. Stattdessen arbeite die Stadt an einer anderen Lösung, die jedoch zunächst genau
durchdacht und mit Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung flankiert werden müsse. So sei es möglich, die Landstraße 172, die Hennigsdorf mit Berlin-Spandau verbindet und außerdem von vielen Schwertransportern frequentiert wird, in eine Gemeindestraße abzustufen.
Dazu müsse die Stadt mit dem Land verhandeln. Allerdings sollten vorher weitere Entlastungen beraten werden, um auf der gesamten Straßenlänge den Verkehr zu verflüssigen, so Schulz. Und er dämpft Erwartungen: „Auch für eine Gemeindestraße ist das Straßenverkehrsamt anordnende Behörde." Und das lehnte bisher alle Anträge der Stadt und der BI ab.

Märkische Allgemeine Zeitung, 08.02.2005
Leserpost
Zur Verkehrsberuhigung in Nieder Neuendorf

In die Irre geleitet

„Hinterfotzig" nennt man es in Bayern, wenn jemand versucht, seine Ziele mit unlauteren Mitteln zu erreichen und dabei Unbeteiligte bewusst in die Irre führt.
Genau so verfahren in trauter Gemeinsamkeit Pfarrer Haff und die Bürgerinitiative Ortsumgehung Nieder Neuendorf (BON), wenn sie für den 9. Februar zu einer Demonstration für Verkehrsberuhigung aufrufen, und zwar an der Stelle, an der vor kurzem zwei Frauen bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt wurden. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ich gehöre zu den uneingeschränkten Befürwortern einer Verkehrsberuhigung im Bereich der Dorfstraße in Nieder Neuendorf.
Nur muss man wissen, dass dieser Verkehrsunfall aufgrund einer Unachtsamkeit einer Autofahrerin geschah, die rotes Ampellicht übersehen hatte.
Jede wie auch immer geartete Verkehrsberuhigung hätte diesen Unfall nicht verhindert, gegen menschliches Versagen
ist niemand gefeit und hilft auch keine Verkehrsberuhigung. Infam ist es also, diesen Unfall zu nehmen und der Stadt Unfähigkeit und Untätigkeit vorzuwerfen, im Endeffekt der Stadt also eine Mitschuld zu geben.
BON und Pfarrer Haff müssen wissen, dass es nicht an der Stadt Hennigsdorf scheitert, die Dorfstraße zu beruhigen.
Und sie müssen eigentlich auch wissen, dass man gerade wieder nach neuen Wegen sucht, dieses Ziel zu erreichen. Die Aktion von BON und Haff missbraucht die Sorgen der Anwohner. Sie spiegelt falsches vor, informiert wissentlich unkorrekt und fuhrt in die Irre.
Und sie fällt denjenigen in den Rücken, die verlässlich nach Lösungen suchen und nicht auf die Schlagzeile in den Medien schielen.
Und das nennt der Bayer "hinterfotzig"... und Recht hat er!
Udo Hoffmann
Nieder Neuendorf

Oranienburger Generalanzeiger, 08.02.2005

SPD gegen Demo

Aufregung um BON-Aufruf
HENNIGSDORF (II) • Der stellertretende Vorsitzende der Hennigsdorfer SPD, Udo Hoffmann, wandte sich gestern mit einem Schreiben an die Öffentlichkeit und gegen die Darstellung der Bürgerininative Ortsumgehung Nieder Neuendorf (BON), fehlende Verkehrsberuhigung im Ort sei Schuld an dem schlimmen Unfall vom 18. Januar gewesen. BON hat für den morgigen Mittwoch, 17.30 Uhr, zur Demonstration aufgerufen, unterstützt vom evangelischen Pfarrer Siegfried Haff.
Hofmann dazu: „Nicht, dass wir uns falsch
verstehen: Ich gehöre zu den uneingeschränkten Befürwortern einer Verkehrsberuhigung im Bereich der Dorfstraße in Nieder Neuendorf. Nur muss man wissen, dass dieser Unfall aafgrund der Unachtsamkeit einer Autofahrerin geschah. die rotes Ampellicht übersehen hat."
Keine Beruhigungsmaßnahme hätte den Unfall verhindern können. Der Stadt also Untätigkeit in der Sache vorzuwerfen, sei „infam" und "hinterfotzig". BON und Haff würden die Sorgen der Anwohner missbrauchen und bewusst falsch informieren.

Märker, 05./06.02.2005

Initiative gegen Lethargie

Nach zwei Verkehrsunfällen mit schwer verletzten Fußgängern auf der Dorfstraße fordert die Bürgerinitiative Ortsumgehung Nieder Neuendorf (BON) sofort wirkende Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit. Dafür geht BON am Mittwoch, 9. Februar, um 17.30 Uhr auf die Straße. An der Fußgängerampel an der Dorfstraße wird eine Versammlung und Kundgebung stattfinden.
Stefanie Jahn, Vorsitzende der BON dazu: „Die Stadt Hennigsdorf muss jetzt handeln, um die
Sicherheit der Fußgänger zu gewährleisten. Dabei unterstützen wir die Verhandlungen mit dem Land zur Umwandlung der Ortsdurchfahrt in eine kommunale Straße. Wir befürchten jedoch, dass die Stadt durch übertriebene Forderungen die Übergabe verzögert. Außerdem fehlt ein Bekenntnis zur Umsetzung von Verkehrsberuhigungsmaßnahmen auch ohne ortsnahe Umgehungsstraße. Wir wollen die Stadt aus ihrer Lethargie reißen".

Berliner Zeitung, 24.01.2005

Das Land will Straßen loswerden

Verkehrsminister erarbeitet Liste schlechter und überflüssiger Verbindungen /Manche Kreise sollen Landstraßen übernehmen
VON MARTIN KLESMANN UND JENS BLANKENNAGEL
POTSDAM. Brandenburg will einen Teil seiner teuren Landstraßen aufgeben. Verkehrsminister Frank Szymanski (SPD) lässt derzeit prüfen, welche Straßen ausgemustert werden sollen. „Spätestens in einem dreiviertel Jahr wissen wir, wie viele Landesstraßen wir aufgeben werden", sagte Lothar Wiegand, der Sprecher des Verkehrsministeriums. Offenbar sollen vor allem wenig befahrene Straßen und solche in der Nähe von Naturschutzgebieten aufgegeben werden.
Es gibt gute Gründe, die für diese Maßnahme sprechen: Brandenburg wird in seinen Berlin fernen Regionen bis zum Jahr 2020 etwa 240000 Einwohner verlieren. Wer soll da all die Straßen noch befahren? Vor allem aber belasten die Erhaltungskosten den angespannten Haushalt des Flächenlandes ~ allein die Instandhaltung von einem Straßenkilometer kostet jährlich gut 7000 Büro. Brandenburg verfügt über ein Netz von insgesamt 5 800 Kilometern Landstraßen. Gleichwohl ist die Stilllegung von Straßen natürlich ein Reizthema für die Menschen vor allem in den peripheren Regionen des Landes. Nicht zuletzt auch, weil inzwischen auch die Deutsche Bahn dazu übergegangen ist, wenig befahrene Strecken im Berlin fernen Regionalverkehr einfach zu schließen.
Bekannt geworden ist bereits, dass die Landstraße 293 zwischen Eberswalde und Biesenthai im Landkreis Barnim von den Experten in Potsdam als entbehrlich angesehen wird. Die Straße ist in schlechtem Zustand, streckenweise ohnehin gesperrt und sollte ursprünglich eigentlich vor allem den Flugplatz Finowfurt bedienen. Nun macht das Verkehrsministerium Druck beim Landkreis: Der Kreis und vielleicht auch die Kommunen sollten diese Landstraße übernehmen.
„Wir sollen bis Juni entscheiden: Entweder übernehmen wir, oder es wird Gras über diese Straße wachsen", sagt derVize-Landrat Garsten Bockhardt.
Doch auch die Kreise haben beträchtliche Haushaltsprobleme. Bockhardt sagt, dass das Land erheblichen Druck ausübe.
So sei ihm zu verstehen gegeben worden, dass die geplante neue Trasse der Bundesstraße 167 auf jeden Fall komme, wenn der Kreis seinerseits die unnütze Landstraße übernehme. Andernfalls vielleicht nicht.
Das Land führt auch die Baumaßnahmen an Bundesstraßen durch, aber der Bund bezahlt.
Ministeriumssprecher Lothar Wiegand sagt hingegen, niemand werde unter Druck gesetzt. „Aber wenn die Kreise die Straßen übernehmen wollen, dann ist das gut."
Auch die Kreisverwaltung von Spree-Neiße, im Südosten Brandenburgs an der polnischen Grenze gelegen, hat bereits Einspruch gegen eine Umwidmung eingelegt - hier geht es sogar um eine Bundesstraße. „Uns sollen etwa zehn Kilometer der bisherigen Bundesstraße B 112 von Steinsdorf bis zur Grenze aufgedrückt werden", sagte Landrat Dieter Friese (SPD). Der Kreis würde sie höchstens übernehmen, wenn der Straßenzustand gut wäre. „Wir haben 184 Kilometer Kreisstraße, die müssen wir in Stand halten. Und wir müssen für den Winterdienst sorgen. Wir haben kein Geld für weitere Straßen", sagte er. Jeder Kilometer mehr verschärfe die finanzielle Notlage des Kreises. „Wir sagen: Wehret den Anfängen. Freiwillig werden wir die Straßen nicht übernehmen. Das wäre ja so, als würden wir unsere Straßen den Gemeinden überhelfen, weil wir kein Geld mehr haben."
Auch der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Brandenburgs, Karl-Ludwig Böttcher, warnt die Landesregierung davor, jetzt einfach bestimmte Straßen vom Netz zu nehmen. „Zunächst einmal muss die Landesregierung ein Ressort übergreifendes Konzept für eine neue zentralörtliche Gliederung des Landes vornehmen."
Tatsächlich hatte das Land im neuen Koalitionsvertrag endgültig vom bisherigen Entwicklungskonzept der dezentralen Konzentration Abschied genommen und die Anzahl der für die Landesentwicklung zentralen Orte reduziert. In der Landesplanung hält man es für sinnvoll, dass zumindest jeder zentrale Ort von einem noch so kleinen Dorf auf möglichst direktem Wege erreicht werden kann. Verbindungen zwischen kleinen Ortschaften gelten mithin als nicht unbedingt notwendig.
Zustimmung erhielt der Verkehrsminister inzwischen von der Bundestagsabgeordneten Cornelia Behm (Bündnis/Die Grünen). Sie will darüber hinaus auch die Zahl der aufwändigen Umgehungsstraßen-Projekte im Land reduzieren.
Als Beispiel nannte sie die geplante Ortsumgehung von Falkensee in Nord-Süd-Richtung nahe an einem Naturschutzgebiet vorbei. Bei anderer Gelegenheit hatte Behm auch die geplante Umgehungsstraße für die Stadt Rathenow (Havelland) als „weitgehend sinnlos" kritisiert.

Märkische Allgemeine Zeitung, 27.04.2004

Gegen Verkehrslärm

BI zu Zusammenarbeit mit Stadt bereit
NIEDER NEUENDORF • Für die Bürgerinitiative BON ist der morgige Tag gegen den Lärm Anlass, ihre Forderungen nach einer Entlastung der Ortsdurchfahrt Nieder Neuendorf durch verkehrsberuhigende Maßnahmen zu bekräftigen. Angesichts des kürzlich vorgestellten Entwurfs für einen Lärmminderungsplan sehe die BI gemeinsame Ziele mit der Stadt, erklärte BI-Sprecher Klaus Habeck. Der Verein BON bietet daher der Stadtverwaltung die Zusammenarbeit bei der Verkehrsberuhigung an, beharrt jedoch zugleich auf. der Forderung, die Pläne für eine ortsnahen Umgehungsstraße fallen zu lassen.
Zwei wichtige Maßnahmen zum Lärmschutz schlägt BON in seinem Verkehrsentlastungskonzept vor: ein Nachtfahrverbot für Lkw und Tempo-30-
Abschnitte auf der Ortsdurchfahrt. Weiterhin fordert die Bürgerinitiative mehrere Zebrastreifen an der Durchfahrtsstraße durch Nieder Neuendorf.
Vereinsvorsitzender Stefanie Jahn ist sich sicher, dass die Reduzierung des Lkw-Durchgangsverkehrs, der in Nieder Neuendorf einen Anteil von mehr als 5O Prozent hat, auch die Belastung der Anwohner der Ortsdurchfahrt weitgehend reduzieren kann. "Wir unterstützen die Stadt deshalb dort, wo wir realistische Ansatzpunkte zur Lärmreduzierung sehen", so Jahn.
Bei einer Verteilung des Lärms auf mehrere Straßen oder der Schaffung zusätzlichen Verkehrslärms werde man jedoch nicht mitspielen. MAZ

Märkische Allgemeine Zeitung, 27.04.2004

Gegen Verkehrslärm

BI zu Zusammenarbeit mit Stadt bereit
NIEDER NEUENDORF • Für die Bürgerinitiative BON ist der morgige Tag gegen den Lärm Anlass, ihre Forderungen nach einer Entlastung der Ortsdurchfahrt Nieder Neuendorf durch verkehrsberuhigende Maßnahmen zu bekräftigen. Angesichts des kürzlich vorgestellten Entwurfs für einen Lärmminderungsplan sehe die BI gemeinsame Ziele mit der Stadt, erklärte BI-Sprecher Klaus Habeck. Der Verein BON bietet daher der Stadtverwaltung die Zusammenarbeit bei der Verkehrsberuhigung an, beharrt jedoch zugleich auf. der Forderung, die Pläne für eine ortsnahen Umgehungsstraße fallen zu lassen.
Zwei wichtige Maßnahmen zum Lärmschutz schlägt BON in seinem Verkehrsentlastungskonzept vor: ein Nachtfahrverbot für Lkw und Tempo-30-
Abschnitte auf der Ortsdurchfahrt. Weiterhin fordert die Bürgerinitiative mehrere Zebrastreifen an der Durchfahrtsstraße durch Nieder Neuendorf.
Vereinsvorsitzender Stefanie Jahn ist sich sicher, dass die Reduzierung des Lkw-Durchgangsverkehrs, der in Nieder Neuendorf einen Anteil von mehr als 5O Prozent hat, auch die Belastung der Anwohner der Ortsdurchfahrt weitgehend reduzieren kann. "Wir unterstützen die Stadt deshalb dort, wo wir realistische Ansatzpunkte zur Lärmreduzierung sehen", so Jahn.
Bei einer Verteilung des Lärms auf mehrere Straßen oder der Schaffung zusätzlichen Verkehrslärms werde man jedoch nicht mitspielen. MAZ

Märkische Allgemeine Zeitung, 24.10.2003

LETZTE SITZUNG DES SCHEIDENDEN HENNIGSDORFER STADTPARLAMENTS

Die Stunde der Radler
ULRICH BERGT
HENNIGSDORF - Ungeachtet des Wahlkampf-Endspurts bestimmte eine weitgehend sachliche Atmosphäre die 44. und letzte Sitzung des scheidenden Hennigsdorfer Stadtparlaments am Mittwochabend. Stadtverordnetenvorsteher Detlef Ziesel rief in Erinnerung, dass in den zurückliegenden fünf Jahren 730 Beschlussvorlagen zur Debatte und Abstimmung standen. Die Zusammenarbeit sei alles in allem angenehm, wenn auch nicht immer problemlos gewesen. Ziesel: "Wir haben uns zusammengerauft, im Interesse der Bürger und unserer Stadt." Mit einer persönlichen Erklärung verabschiedete sich Norbert Priemuth (Unabhängige), der nicht wieder zur Wahl antritt. Er hätte sich mehr Einfluss der Stadtverordneten auf die Entwicklung der Stadt gewünscht, sagte er.
Völlige oder weitgehende Zustimmung aller Fraktionen gab es zu den wirtschaftlichen Jahresabschlüssen der Hennigsdorfer Wohnungsbaugesellschaft HWB und des kommunalen Abwasserbetriebs für 2002. Streitpunkt bildete erwartungsgemäß die Gebührensatzung für die Straßenreinigung. Ursel Degner (PDS) kritisierte, dass auf Radwegen künftig keine Winterdienstreinigung erfolgt. Horst Brandenburg (Bürgerbündnis) zog erneut die Richtigkeit der gesamten Satzung in Zweifel: "Woher kommt die plötzliche Gebührenerhöhung?" Die Zahlen seien ausreichend erläutert, befand hingegen Lutz-Peter Schönrock (CDU).
Dass es auf Vorschlag des Bürgerbündnisses keinen Winterdienst auf Radwegen mehr gibt, bedauerte der passionierte Radler Peter Schulz (SPD), zu ändern sei daran nun aber nichts mehr. Um Radfahrer ging es auch im Beschlussantrag des Bürgerbündnisses, den kombinierten Fuß- und Radweg in der Fontanesiedlung wegen der Gefährdung von Fußgängern abzuschaffen. Der Vorschlag wurde mehrheitlich abgelehnt. In den Bauausschuss verwiesen wurde hingegen die Bürgerbündnis-Initiative, die baulichen Voraussetzungen für eine Buslinie nach Hennigsdorf-Nord zu schaffen.
Eine heftige Debatte gab es schließlich zur Frage, ob die Stadt gerichtlich gegen eine Entscheidung des Kreis-Straßenverkehrsamtes vorgehen soll. Dieses hatte sämtliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung in Nieder Neuendorf abgelehnt. Die Erfolgsaussichten seien gering, argumentierte SPD-Fraktionschef Buchberger. Man halte dennoch am Ziel der Verkehrsberuhigung fest. CDU-Fraktionsvorsitzender Schönrock hingegen plädierte für den Gang vors Gericht, dem schlossen sich Bürgerbündnis und FDP/Unabhängige an. Die Prozess-Gegner von SPD und PDS waren jedoch in der Überzahl. Damit sei eine wichtige Chance vertan, die Verkehrsberuhigung auf gerichtlichem Wege zu erstreiten, bedauerte nach der Sitzung Stefanie Jahn, die Vorsitzende der Bürgerinitiative Ortsumgehung Nieder Neuendorf.

Märkische Allgemeine • 14./15. Juni 2003:

Die Verwaltung gründlich belehrt

Nichts geht in Nieder Neuendorf
INA NEHLS
HENNIGSDORF • Bekannt ist, dass die Nieder Neuendorfer Bürgerinitiative Bon Front macht gegen die ortsnahe Umgehungsstraße ihres Stadtteils. Sie favorisiert die ortsferne Umfahrung. Und sie hat ihre Forderungen nach zwischenzeitlicher Verkehrsberuhigung deutlich artikuliert und Unterstützung in der Stadtverordnetenversammlung gefunden. Am Donnerstagabend ließ sich der Bauausschuss über Aktivitäten der Verwaltung in dieser Sache informieren.
Fachbereichsleiterin Jutta Pauluhn zeichnete akribisch nach, was die Verwaltung seit Dezember 2002 unternommen hat, um drei verkehrsrechtliche Anordnungen (Tempo 30, Nachtfahrverbot für schwere Lkws, Fußgängerüberweg) durchzusetzen. Doch der Antrag wurde in Bausch und Bogen abgelehnt. Das Landes-Straßenbauamt argumentiert mit Verkehrszählungen und Aufgabe von Landesstraßen und nennt viel höher belastete Straßenabschnitte in Ortsdurchfahrten. Auch die Herabsetzung von 50 auf 30 km/h sei als Maßnahme des Lärmschutzes nicht wirksam. Tempo 30 könnte aber punktueü im Bereich von Kindereinrichtungen angeordnet werden.
Nachgeschickt wurde auch eine Stellungnahme zum Stand der Ortskernumfahrung von Nieder Neuendorf. Der Leiter des Straßenbauamtes betonte im März, dass zwar davon ausgegangen werden könne, dass von einer Ortskernumfahrung größere Entastungseffekte auch für Hennigsdorf zu erwarten seien. Doch der Landesstraßenbedarfsplan werde noch einmal auf den Prüfstand gestellt.
Angedeutet wird, dass die geplante Ortsumfahrung mit zwei Brückenbauwerken,
Lärmschutz, landschaftspflegerischen Maßnahmen und Knotenpunktausbauten angesichts der Haushaltslage fraglich ist und dass "Nieder Neuendorf gegenüber anderen Ortslagen im Landesstraßennetz über einen guten Straßenzustand verfügt". Die Planung werde ausgesetzt.
Vom Straßenverkehrsamt des Landkreises kam eine mehrseitig begründete und nach Meinung einiger Abgeordneter "eulenspiegelreife" Ablehnung. Weitschweifig wird darin nämlich das Abc des Straßenverkehrs, der Paragraf l, erläutert. Ursel Degner (PDS) lästerte, dass also alles überflüssig sei, wenn sich jedermann zu jederzeit nach Paragraf l benehme. Die Stadtverwaltung hat gegen die Ablehnung Widerspruch eingelegt und ein Anwaltsbüro eingeschaltet. Viel Aussicht, die Verkehrsberuhigung durchzusetzen, sei aber nicht, war Jutta Pauluhn keineswegs zuversichtlich. Stefanie Jahn, die Chefin der Bürgerinitiative, hatte dem offenbar nichts hinzuzufügen. Sie wollte nur geklärt haben, dass im Gegensatz zu Jutta Pauluhns Aussage die Ortskernumfahrung Nieder Neuendorf nie im Landesstraßenbedarfsplan gestanden habe. MAZ fragte im Straßenbauamt nach und erfuhr, dass tatsächlich immer nur die großräumige westliche Umfahrung von Hennigsdorf dort auf Rang 7 platziert war. Die kleine Nieder Neuendorfer Maßnahme sei daraus abgeleitet worden. Allerdings entbehrt denn auch diese Feststellung jeglicher Brisanz, da alles neu durchgerechnet werde. Es sei völlig offen, ob Hennigsdorf wieder auftauche, ob damit Nieder Neuendorf überhaupt eine Chance habe.

Märker • 13. Juni 2003:
Umgehungsstraßenausfall: Nieder Neuendorf bekommt zunächst keine Ortsumgehungsstraße. Das Straßenbauamt Eberswalde teilte der Hennigsdorfer Stadtverwaltung mit, dass die Planungen ausgesetzt sind. Ob die Ortsumgehung im neuen Landesstraßenbedarfsplan aufgenommen wird, steht erst zum Jahresende fest. Der Kreis Oberhavel lehnt zudem verkehrsberuhigende Maßnahmen für die Dorfstraße in Nieder Neuendorf ab. Tempolimit und Lkw-Fahrverbot sowie zusätzliche Fußgängerüberwege fallen somit weg.

Oranienburger Generalanzeiger • 5. Mai 2003:

Nieder Neuendorfer demonstrierten für Verkehrsberuhigung im Ort

HENNIGSDORF (til) • Es war ruhig am Samstagnachmittag in Nieder Neuendorf, als sich die Demonstranten an der Dorfstraße trafen. Den größten Lärm machten die heftigen Windböen, die den knapp 100 Nieder Neuendorfern um die Ohren sausten, und die Demonstranten selbst, die sich mit Trillerpfeifen und Rasseln Gehör verschafften. Demonstriert wurde gestern gegen den Lärm. Genauer gesagt, gegen den Verkehrslärm, der nach Ansicht der Anwohner in dem Hennigsdorfer Ortsteil eindeutig zu hoch ist. Außerdem sei das Überqueren der Landesstraße im Ort gefährlich.
Mit der Demo wollte die Bürgerinitiative (Bl) gegen die Ortsumgehung Nieder Neuendorf (BON) ihren Forderungen nach verkehrsberuhigenden Maßnahmen an der Dorfstraße Nachdruck verleihen. Wie berichtet, will die Bl BON Tempo 30 und ein Nachtfahrverbot für Lkw durchsetzen. Außerdem soll das Überqueren der Fahrbahn
durch Zebrastreifen sicherer gemacht werden. Vor allem am künftigen Ortsteilzentrum sei ein solcher Überweg notwendig.
Zufrieden zeigten sich die Demonstranten damit, dass ihr alternatives Verkehrskonzept vom Landesverkehrsministerium und den ihm unterstellten Behörden befürwortet wurde. Kritik wurde allerdings an der Arbeit der Stadtverwaltung Hennigsdorf geübt. Die Stadt habe die Anträge für verkehrsberuhigende Maßnahmen schlecht vorbereitet. Zahlreiche Wünsche seien dem Landesstraßenbauamt in Eberswalde angetragen worden. Das Problem: Für viele Anliegen sei die Behörde gar nicht zuständig, hieß es.
Für die Demonstration durchs Dorf hatten die Leute nicht nur viele Transparente mitgebracht, sondern sich teilweise auch Ohrenschützer aufgesetzt.

Märker • 15./16. März 2003:
Nieder Neuendorf: Bürgerinitiative strebt ortsfeme Umgehungsstraße an

Zweifel am Gutachten

Im vergangenen Monat war in Hennigsdorfer Ausschüssen wiederholt über zwei Varianten einer Umgehungsstraße von Nieder Neuendorf diskutiert worden. Die eine wird von der Stadt Hennigsdorf favorisiert. Für die andere setzt sich die Bürgerinitiative für eine ortsferne Umgehungsstraße Nieder Neuendorf (BON) ein und hat im November 2002 schon l.600 Unterschriften gesammelt. BON besteht seit einem Jahr und zählt inzwischen nach eigenen Angaben etwa 170 Mitglieder, darunter Landschaftsplaner, Betriebswirte und Grafiker. Bereits mit der Öffnung der Landesstraße L 172 nach Berlin-Spandau im Jahr 1997 stand fest, dass dies nicht der endgültige Zustand sein würde. "Uns wurde damals versprochen, dass verkehrsberuhigende Maßnahmen kommen und der Verkehr wieder abnehmen wird, weil eine Umgehungsstraße gebaut wird. Eine komplette Schließung der Spandauer Landstraße halten wir auch nicht für angebracht", zeigt sich Falko Andrich, Schriftführer von BON, nicht ohne Ärger. Das geht aber gar nicht, denn es ist eine Landesstraße, die nicht als verkehrsberuhigte Zone mitten durch den Nieder Neuendorfer Ortskern führen kann. Das Land Brandenburg, konkret das Straßenbauamt in Eberswalde, geht beinahe konform mit den Vorschlägen von BON. "In der Landesstraßenbedarfsplanung von 1995 ist die Notwendigkeit einer Umgehungsstraße für den Ort Hennigsdorf dokumentiert (L 172 Ortsumgehung Hennigsdorf), nicht einfach für Nieder N.euendorf, wie die Stadt es 1999 in, ihrem Flächennutzungsplan niedergeschrieben hat", nennt Stefanie Jahn, l. Vorsitzende von BON, einen der Kritikpunkte, die die Bürgerinitiative an die Stadt Hennigsdorf richtet. "Für die Stadt Hennigsdorf, insbesondere Ruppiner Chaussee, bringt die ortsnahe Umgehungsstraße keinerlei Entlastung und in Nieder Neuendorf wird der Lärm nur von der Mitte an den Rand und an die Kleingärten verlagert. Er wird nicht weniger werden, zeigt sich Stefanie Jahn überzeugt. Zudem würden Erholungssuchende beeinträchtigt, da das Landschaftsschutzgebiet Neuendorfer Heide mehrfach durch die Trasse durchschnitten wird. Auch seien erhebliche Kosten wegen des Brückenbaus über den Havelkanal zu erwarten. Vor etwa einem dreiviertel Jahr hat die Stadtverwaltung im Rahmen der Verkehrsplanung in Hennigsdorf eine Verkehrszählung durchführen lassen. Für die Nieder Neuendorfer Ortsdurchfahrt kamen danach etwa 9 200 Fahrzeuge an einem Tag zusammen. Nach der Auswertung der Zahlen hat die Stadt Hennigsdorf dann ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die oben erwähnten Varianten - ortsnah oder ortsfern - vergleicht. Dieses Gutachten, erstellt vom Planungsbüro Richter-Richard, besagt grob ausgedrückt, dass die von der Stadt vorgeschlagene ortsnahe Umgehungsstraße als Entlastung für den historischen Ortskern in Nieder Neuendorf die optimalste ist. Soweit, dieses Planspiel ein Gefälligkeitsgutachten für die Stadt zu nennen, möchte BON, nicht gehen. "Das wäre wohl ungerecht. Aber wir haben einige Kritikpunkte: Zunächst hat Richter-Richard nach unserer Auffassung unsere Variante falsch interpretiert. Sie haben die von uns gewollte Verkehrsberuhigung in Nieder Neuendorf bei gleichzeitigem Bau einer ortsfernen Umgehungsstraße in Richtung Schönwalde völlig außer Acht gelassen. Außerdem geht unsere Variante bei Richter-Richard direkt durch den Ort Schönwalde. Dabei werden alle Orte wie Schönwalde, Nieder Neuendorf und Hennigsdorf umfahren" betont Stefanie Jahn.
"Wir haben den Verdacht, dass unser Vorschlag gar nicht richtig geprüft wurde, zumal Richter-Richard bei der ortsnahen Variante sehr wohl eine Verkehrsberuhigung für den Ortskern eingerechnet hat. Selbst der Bus soll danach auf der Umgehungsstraße fahren, was den öffentlichen Nahverkehr für Nieder Neuendorf noch unattraktiver macht", ist nicht nur die l. Vorsitzende von BON irritiert.
Immerhin habe selbst der Gutachter bei der von BON vorgeschlagenen ortsfernen Umgehungsstraße eingeräumt, dass Reisende in Richtung Velten, Marwitz etwa vier Minuten Zeit sparen würden. BON geht davon aus, dass eine Umgehungsstraße fern von Nieder Neuendorf durchaus mehr Zeitvorteil bringt, da etwa 50 Prozent des Verkehrsaufkommens durch Nieder Neuendorf durchfließen würden. Ganz genau hat BON das Gutachten auseinander genommen und dabei noch einige gravierende Rechenfehler in Bezug auf die Verkehrsströme und -mengen festgestellt. "Mehrmals stimmen Zahlen, die sich auf gleiche Sachverhalte beziehen, nicht überein", kritisiert Stefanie Jahn.
Jetzt plant BON, jedem Abgeordneten von Hennigsdorf die von der Bürgerinitiative erarbeitete Richtigstellung zukommen zu lassen. "Inzwischen muss die Stadt sich ernsthaft mit uns befassen", ist Stefanie Jahn mit den Erfolgen von BON ganz zufrieden. Sie und ihre Mitstreiter wünschen sich dringend ein bisschen mehr Gesprächsbereitschaft und Offenheit von der Stadtverwaltung. Mehrere Stadtverordnete haben die "Straßenkämpfer" inzwischen sensibilisiert. (tja)

Märker • 7./8. Dezember 2002:

Mehr als 1600 Menschen fordern weite Umfahrung

Nieder Neuendorf: Unterschriften für Verkehrsentlastungskonzept
Mehr als 1.600 Unterschriften für ein Verkehrsentlastungskonzept hat die Bürgerinitiative BON e.V. vor kurzem dem stellvertretenden Bürgermeister Martin Witt (SPD) in Hennigsdorf und dem zuständigen Vertreter des Brandenburgischen Straßenbauamts Eberswalde überreicht. "Alle Unterzeichner sprechen sich für eine Ortsumfahrung für Hennigsdorf aus, die gleichzeitig die Orte Bötzow und Schönwalde vom Durchgangsverkehr entlastet. Außerdem fordern wir eine sofortige Verkehrsberuhigung der Ortsdurchfahrt Nieder Neuendorf und einen Verzicht auf die von der Stadt Hennigsdorf favorisierte ortsnahe Umgehung des Ortsteils", sagt Klaus Habeck, Pressesprecher des Vereins "Bürgerinitiative Ortsumgehung Nieder Neuendorf - BON e.V.", zum Inhalt der Unterschriftensammlung.
Die zahlreichen Unterschriften seien an drei Tagen im Oktober und November 2002 trotz Regen und Kälte in Hennigsdorf gesammelt worden, berichtet Klaus Habeck. "Wenn wir noch mehr Aktionen durchführen, könnten wir die Zahl der Unterschriften erheblich aufstocken. Aber wir haben die von uns angestrebte Anzahl bereits jetzt erreicht." erklärte die BON-Vorsitzende Stefanie Jahn. Die Unterschriftensammlung wurde vom Gemeindekirchenrat der Evangelischen Gemeinde Nieder Neuendorf, vom Kleingartenverein Uferpromenade e.V., von der Gartensparte Am Nieder Neuendorfer Kanal, dem Kiemgartenverein Eschenallee sowie dem Verein Bürger-Bündnis unterstützt.

Autofahrten nicht verhindern

Das Konzept ist auf der Webseite des Vereins (www.bon.spierentonne.de) nachzulesen. Die Befürchtung Martin Witts, dass das geforderte Maßnahmenbündel die Attraktivität des Gewerbestandortes Hennigsdorf vermindere, hält BON e.V. für unbegründet. Ziel der Vorschläge sei es nicht, die Fahrten von und nach Hennigsdorf zu verhindern. Vielmehr solle der Verkehr anwohnerverträglich gestaltet werden, ohne neue Belastungen zu schaffen. Vordringlich seien daher Sofortmaßnahmen wie ein Nachtfahrverbot für Lkw, Tempo-30-Absclmitte und zusätzliche Querungshilfen für Fußgänger. Mit einer gemeinsamen Ortsumgehung für Hennigsdorf, Bötzow und Schönwalde könne der überregionale Durchgangsverkehr, der im "Verkehrsmodell Hennigsdorf" aus dem Jahr 1998 mit etwa 25 Prozent ausgewiesen ist, aus den Ortschaften herausgehalten werden.
Auch das Brandenburgische Straßenbauamt sieht in einer Umgehung für den gesamten Ort Hennigsdorf bessere Möglichkeiten, einen hohen Nutzen für die eingesetzten Investitionsmittel zu erzielen. Für den neuen Landesstraßenbedarfsplan soll daher die Aufnahme einer Ortsumgehung Hennigsdorf geprüft werden, teilte das Straßenbauamt der Bürgerinitiative mit. "Die Stadt Hennigsdorf hält noch an einer Bypass-Lösung für Nieder Neuendorf fest. Martin Witt hat uns jedoch weitere Gespräche im Januar angeboten", ist Klaus Habeck optimistisch.

Oranienburger Generalanzeiger • 27. November 2002:

Gegen enge Umgehung

Proteste aus Nieder Neuendorf
HENNIGSDORF (li) • Mehr als 1 600 Unterschriften und ein Verkehrsentlastungskonzept wurden gestern Nachmittag an den stellvertretenden Bürgermeister Martin Witt (SPD), in Hennigsdorf übergeben.

Die Bürgerinitiative BON hatte die Namenszüge bei zwei Aktionen gesammelt, um damit gegen eine ortsnahe Umgehung für Nieder Neuendorf zu protestieren. Gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde des Ortsteils, dem ansässigen Kleingartenverein sowie dem BürgerBündnis tritt BON für eine weiträumige Umfahrung von Hennigsdorf ein. Diese könnte in Richtung Bötzow
führen und zugleich für das nahe gelegene Dorf sowie den Stadtkern eine Entlastung bieten.
Schließlich wird die Ortsdurchfahrt Hennigsdorf nach Bötzow/Schönwalde oder Berlin täglich von tausenden Autofahrern genutzt. Diese Pendler sollten von der Stadt ferngehalten werden, sagte Stefanie Jahn von BON. Das Straßenbauamt in Eberswalde hält inzwischen nicht mehr starr an der ortsnahen Umfahrung für Nieder Neuendorf fest. Zuletzt hieß es, dass der Nutzen für die Anwohner in keinem Verhältnis zu den Kosten stünde.
Martin Witt versprach den BON-Vertretern für Januar weitere Gespräche.

Märkische Allgemeine • 22. Oktober 2002:

Ortsumgehung liegt auf Eis

Hennigsdorf sauer auf Straßenbauamt: Da wird die Unwahrheit gesagt
HENNIGSDORF • Sämtliche Planungen für die Nieder Neuendorfer Ortsumgehung liegen vorerst auf Eis. Mit dieser Mitteilung rückte gestern das zuständige Brandenburgische Straßenbauamt (BSBA) in Eberswalde heraus. Begründet wird dies mit jetzt vorliegenden neuen Verkehrszahlen. Der unerwartet hohe Anstieg der Verkehrsbelastung werfe die Frage auf, ob die ortsnahe Umgehungsstraße für Nieder Neuendorf tatsächlich ausreichen wird, um Hennigsdorf vom Durchgangsverkehr zu entlasten, erklärte BSBA-Planungsdezernentin Kerstin Finis-Keck in einer gestern veröffentlichten Pressemitteilung. "Da der Landes-Straßenbedarfsplan zur Zeit überarbeitet wird, besteht nunmehr die Chance, die Ortsumgehung Hennigsdorf letztmalig einer Prüfung zu unterziehen", heißt es weiter. Dabei solle auch geprüft werden, inwieweit eine großräumige Umfahrung an Schönwalde vorbei nutzbringend sein könne.
In der Hennigsdorfer Stadtverwaltung ist die Mitteilung des BSBA mit Verwunderung aufgenommen worden. Denn bei einem Gespräch, zu dem Bürgermeister Schulz die Planer aus Eberswalde vor vier Wochen eingeladen hatte, waren von der Landesbehörde ganz andere Gründe für die Abkehr von den ursprünglichen gemeinsam getragenen Plänen für die Nieder Neuendorf-Umgehung genannt. Das BSBA habe zugegeben, dass es derzeit weder über die notwendigen Finanzen noch über die personellen Kapazitäten für die geplante Ortsumgehung verfüge, erinnert sich Jutta Pauluhn, die Chefin des Fachbereichs Stadtentwicklung in der Hennigsdorfer Verwaltung. Priorität habe die Ortsumgehung Marwitz-Botzow hieß es bei dem
Gespräch am 24. September. Wenn die Landesbehörde jetzt neue Verkehrszählungen als Begründung für ihr Umschwenken anführt, sei dies einfach die Unwahrheit, erklärt Jutta Pauluhn. Das BSBA habe keinerlei neues Zahlenmaterial. Im Gegensatz zur Stadt Hennigsdorf. Die hatte nämlich im Mai eine Verkehrszählung durch führen lassen und im darauf folgenden Monat eine Befragung der Verkehrsteilnehmer nachgeschoben. Jutta Pauluhn: "Die bisherige Auswertung belegt, dass unsere Prognosen richtig waren." Das heißt, der Durchgangsverkehr belastet vornehmlich den Ortsteil Nieder Neuendorf. Eine großräumige Umgehungsstraße für ganz Hennigsdorf mache hingegen keinen Sinn, weil die Mehrzahl der Pkw und Lkw Betriebe und-Einrichtungen in der Stadt zum Ziel hätte.
Derzeit sind die Hennigsdorfer Verkehrsplaner dabei, die Ergebnisse ihrer neuen Zählung auszuwerten und in das Verkehrsmodell für die Stadt einzuarbeiten. Die Ergebnisse liegen Ende des Monats vor, kündigte Jutta Pauluhn an. Sie würden dann zuerst den Stadtverordneten vorgestellt und wenn das BSBA Interesse hat, auch an die Landesbehörde weitergeleitet. Warum sich das Landesstraßenbauamt um die Wahrheit drückt, kann sich in der Hennigsdorfer Stadtverwaltung niemand erklären. Bei der Bürgerinitiative Ortsumgehung Nieder Neuendorf BON, die für eine weiträumige Umgehungsstraße kämpft, sind die Eberswalder Absichten ebenfalls schon länger bekannt. "Uns wurde schon im August gesagt, dass die ümfahrung Bötzow - Marwitz erst einmal Priorität hat", sagte gestern BON-Vorsitzende Stefanie Jahn.
ub

Oranienburger Generalanzeiger • 22.Oktober 2002:

Ortsumgehung in der Warteschleife

Brandenburgisches Straßenbauamt überprüft Umfahrung von Nieder Neuendorf
HENN1GSDORF (ork) • Die umstrittene ortsnahe Umgehung von Nieder Neuendorf wird vorerst nicht weitergeplant. Das Brandenburgische Straßenbauamt Eberswalde überprüft stattdessen, ob eine großräumige Umfahrung von Hennigsdorf sinnvoller ist. Genau das hatte eine Bürgerinitiative gefordert.
Der Meinungsumschwung der Behörde liegt an dem "unerwartet hohen Anstieg der Verkehrsbelastung", den diejüngsten Zählungen ergeben hätten, so Kerstin Finis-Keck, Planungsdezernentin beim Straßenbauamt, in einer Pressemitteilung. Insofern sei in Frage gestellt, ob die Ortskernverlagerung von Nieder Neuendorf ausreichen würde, Hennigsdorf vom Durchgangsverkehr zu entlasten.
Sollte eine gemeinsame Umfahrung für Hennigsdorf und Nieder Neuendorf kommen, würde die an Schönwalde vorbei führen. Eine Straße näher an Hennigsdorf sei laut Frau Finis-Keck weder städtebaulich noch naturschutzrechtlich möglich. Momentan wird die Umgehung nach Nutzen-Kosten-Verhältnis und Umweltrisiko geprüft. Dabei will die Behörde herausfinden, ob die großräumige Variante Sinn macht. Das soll bis Mitte 2003 feststehen. Dann möchte die Behörde gemeinsam mit der Stadt entscheiden, welche Maßnahme bevorzugt wird. So lange ruhen die Vorbereitungen für die Ortskernverlagerung von Nieder Neuendorf.

Oranienburger Generalanzeiger • 22. Juni 2002:

Ein Kompromiss scheint kaum möglich

Die verschiedenen Vorschläge für die Ortsumfahrung gehen von unterschiedlichen Voraussetzungen aus
Von Dietmar Stork
HENNIGSDORF • Am Ende stand ein Gesprächsangebot: Das Straßenbauamt versprach der Bürgerinitiative gegen die Ortsumgehung Nieder Neuendorf, deren Daten zu überprüfen und dann im kleinen Kreis weiterzudiskutieren. Zumindest ein positives Ergebnis der Bürgerversammlung. Überhaupt war die Informationsveranstaltung im Stadtklubhaus, zu der die Strausberger Behörde am Donnerstag eingeladen hatte (wir berichteten), von einer relativ sachlichen Atmosphäre geprägt. Die konstruktive Diskussion überwog; nur anfangs wollten einige Bürger Dr. Norbert Ulrich, Fachbereichsleiter bei Schüßler-Plan Berlin, nicht immer ausreden lassen.
Dann aber konnte jeder seine Argumente und Zahlen vortragen, und Kerstin Finis-Keck, Dezematsleiterin für Planung und Entwurf beim Straßenbauamt, sicherte zu, sich den Alternativ-Vorschlag der Bürgerinitiative genauer anzuschauen.
Allerdings sieht es kaum so aus, als ob ein Kompromiss möglich wäre - zu sehr liegen die beiden Entwürfe auseinander. Und zu sehr unterscheiden sich die Voraussetzungen, von denen Behörde und Bl ausgehen. Unstrittig sind dabei wohl die Zahlen, die Ulrich nannte: 1998 waren es 6 700 Kraftfahrzeuge, die in 24 Stunden den Ortsteil passierten. Im vergangenen Jahr hatte sich diese Zahl bereits auf knapp 9 800 Kfz erhöht; eine überproportionale Erhöhung, die laut Ulrich an der guten Entwicklung im Berliner Speckgürtel lag. Für das Jahr 2012 werden schon 13 000 Fahrzeuge prognostiziert. "Das ist eine immense Belastung für die Bevölkerung", kommentierte der Planer die Zahlen.
Doch woher kommen diese Autos? Bürgermeister Andreas Schulz (SPD) erläuterte, dass mehr als 70 Prozent der Autos nach Hennigsdorf fahren oder von dort kommen. Das bestätigte Kerstin Finis-Keck: Anfang der Neunzigerjahre habe das Straßenbauamt eine große Umgehung für Hennigsdorf bauen wollen. Danach habe sich gezeigt, dass sich die Verkehrsstrome nicht so entwickeln würden wie erwartet, und die große Variante sei zugunsten einer ortsnahen Umgehung aufgegeben worden. Von ganz anderen Verkehrsströmen geht hingegen die Bürgerinitiative aus: Die Mitglieder zeigten sich überzeugt, dass insbesondere der Schwerlastverkehr nicht nach Hennigsdorf will - das seien Fahrzeuge, die den überfüllten Berliner Stadtring meiden wollten und deswegen von der Autobahn abfahren würden, um nach Spandau oder darüber hinaus zu gelangen.
Die unterschiedlichen Ausgangspositionen führen auch zu ganz anderen Ergebnissen. "Eine ortsferne Umgehungsstraße bringt gar nichts", sagte der Bürgermeister, gestützt auf die Zahlen
des Straßenbauamtes. Wer nach Hennigsdorf will, so die Argumentation, der fährt von Spandau nicht über Schönwalde und Bötzow, sondern der nutzt weiter die Dorfstraße in Nieder Neuendorf. Die Bürgerinitiative wiederum ist überzeugt, dass der größte Teil der Autofahrer - weil diese ja ohnehin nicht nach Hennigsdorf wollen - die Umgehung ohne Weiteres nutzen würde. Dann wäre Hennigsdorf insgesamt von einem Teil des Verkehrs und damit der Belastungen befreit.
Wichtig in der Frage des Trassenverlaufs ist auch der Lärm. Die Bürgerinitiative fürchtet, dass sich Schall - angesichts der vorherrschenden Winde aus dem Westen - ungebremst ausbreiten kann. Die B l hat bereits gemessen und selbst für 150 bis 200 Meter Entfernung Lärmwerte errechnet, "die uns zu denken geben", so ein Sprecher der Initiative.
Anders die Erkenntnisse der Planer: Die Trasse verlaufe so weit wie möglich von Nieder Neuendorf entfernt, vor allem an den "Waldfrüchtchen" wurde sie weiter nach Südwesten verlegt. Und das reiche aus, so Norbert Ulrich, dass für die Umgehung gleich ganz auf eine Lärmschutzwand verzichtet werden könne. Nur an der neuen Brücke über den Havelkanal sei eine solche Maßnahme erforderlich.
Es gab auch einige Kritik an der Variante der Bl: Die schlägt vor, dass die Straße entlang der alten Grenze in Richtung Schönwalde verlaufen solle, wo sie auf die Ortsverbindung nach Bötzow stoßen würde, um mit einer neuen Umgehung von Bötzow und Veiten in Hohenschöpping zu enden. "Wir sind nicht so gemein und schicken die Leute nach Schönwalde", kommentierte Kerstin Finis-Keck die Idee, Es könne nicht sein, dass die Initiative Nieder Neuendorf zur "Tabuzone" erkläre, während andernorts der Verkehr in Ordnung sei - einer Aussage, die BI-Sprecher Klaus Habeck widersprach. Die Stadtverwaltung kritisierte zudem, dass diese Variante nur eine einzige Anbindung an Hennigsdorf vorsehe, und zwar über die Marwitzer Straße, die dann noch zusätzlich belastet wäre. Fraglich blieb, ob schon jetzt Lärmschutzmaßnahmen für die Dorfstraße in Nieder Neuendorf möglich wären. Die Bl fordert ein Nachtfahrverbot für Lkw und eine "Tempo 30"-Zone. Das Straßenbauamt sagte, dass der Gesetzgeber dies nicht zulasse.
Die Bürgerinitiative ist in Nieder Neuendorf selbst nicht unstrittig; auch das ist eine Erkenntnis der Versammlung. Die Anwohner aus der Dorfstraße, die den Verkehr jetzt ertragen müssen, machten jedenfalls deutlich, dass sie die Planung als "tolle Sache für den Ort" sehen, wie einer von ihnen kommentierte. Und ein anderer sagte an die Bl gewandt: "Sie haben 500 Unterschriften, aber in Nieder Neuendorf wohnen mittlerweile 3 000 Menschen. 2 500 vertreten Sie also nicht!"

Märkische Allgemeine • 21. Juni 2002:

Statt Bypass neue Verkehrsader

Pro und Kontra zur Ortskernentlastung Nieder Neuendorfs
INA NEHLS
HENNIGSDORF • Mehr als 200 Frauen und Männer, vor allem aus Nieder Neuendorf,füllten gestern Abend den Saal des Stadtklubhauses. Erstmals stellten Stadtverwaltung und Straßenbauamt Strausberg die geplante ortsnahe Strecke der Ortskernentlastung für Nieder Neuendorf vor. Bitter notwendig ist sie, herrschte Einigkeit, denn mit Tendenz steigend passieren bis zu 13 000 Fahrzeuge täglich die Dorfstraße, deren Anwohner diese Belastung nicht länger ertragen wollen. Da aber der Verkehr zu etwa 75 Prozent Quellverkehr von und nach Hennigsdorf ist, zitierte Bürgermeister Schulz eine Untersuchung, bringe eine ortsferne Entlastung Nieder Neuendorf nichts. Da gab's Beifalf der einen und Protest der anderen Seite. Die Mitglieder der BI Bon e. V. hatten den nun sicheren Ausbau der L 20 (Bötzow - Marwitz - Velten) im Blick, als sie ihre ortsfernen Varianten (MAZ berichtete) vorstellten. Die Planer erwiesen dem in der weitgehend sachlichen Debatte Respekt. Allerdings sahen sie sowohl die Belastung der Mehrheit der Bürger im Ortsteil durch Verkehr und Lärm mit ihrer kleinen 4 km langen neuen Trasse deutlich geringer als jetzt. Die Debatte geht weiter.

Oranienburger Generalanzeiger • 20. Juni 2002:

Initiative mit eigenen Plänen

Heute Diskussion um Ortsumgehung
HENN1GSDORF (ork) • Große Überraschungen erwartet die Bürgerinitiative gegen die Ortsumgehung von Nieder Neuendorf heute abend nicht. Zwar seien die aktuellen Entwürfe nicht bekannt - aber BI-Sprecher Klaus Habeck geht von einer ortsnahen Umfahrung aus.
Offenbar will das Straßenbauamt heute im Stadtklubhaus eine Trasse vorstellen, die nur in Details anders verläuft als in dem Entwurf vorgesehen, der voriges Jahr im Hennigsdorfer Bauausschuss vorgestellt worden war. "Offenbar führt die Strecke im Süden etwas weiter weg von der Siedlung Waldfrüchtchen", hat Habeck gehört.
Ansonsten soll wohl alles wie geplant bleiben: Die Straße würde westlich Nieder Neuendorfs am Ort vorbei laufen und über eine neue Brücke auf die Eschenallee geführt. Und an diesen Vorstellungen stört sich die Initiative.
Bisher war für die ortsnahe Umgehung immer das Argument gebraucht worden, dass die meisten der Autos, die durch Nieder Neuendorf fahren, in Hennigsdorf starten oder dorthin wollen. Das Argument lässt die Vorsitzende Stefanie Jahn nicht gelten: "Aus den vorliegenden Daten lässt sich dieser Schluss nicht ziehen", sagt sie. Die Stadt habe erst jetzt eine Verkehrsbefragung durchgeführt, die konkrete Daten ergeben soll. "Das hätte viel früher passieren sollen. Da wird erst eine Straße geplant, und dann macht man die notwendigen Untersuchungen."
Die Initiative geht hingegen davon aus, dass viele Fahrzeuge von Spandau aus zur Autobahn wollen, also weiträumig an Hennigsdorf vorbei geführt werden könnten. Deswegen sieht der Vorschlag der BI ganz anders aus als der vom Straßenbauamt.
Von Spandau kommend würde die neue Trasse am alten Grenzstreifen nach Westen abknicken. Eine Variante über die Siedlung Schönwalde ist bereits verworfen worden. Stattdessen soll die Straße bei Schönwalde auf die bestehende L 20 führen, die den Ort mit Bötzow verbindet. Südöstlich des Oberkrämer-Ortsteils sollte die Umgehung die Trasse der schon geplanten L 20n nutzen, die als Entlastung von Velten und Bötzow vorgesehen ist.
Die Initiative hofft, dass es heute zu einem konstruktiven Gespräch mit den Planern kommt. "Denn wir sind ja nicht absolut gegen eine solche Straße", betont Habeck. "Wir wollen nur eine verträglichere Variante."
*
Die Informationsveranstaltung zur Ortsumgehung findet heute ab 18 Uhr im Hennigsdorfer Stadtklubhaus statt.

Märkische Allgemeine • Mittwoch/Donnerstag, 8./9.. Mai 2002:

Laster an Ort und Stelle zerlegt

Unfall in Nieder Neuendorf
HENNIGSDORF • Die Spandauer Landstraße von Hennigsdorf in Richtung Berlin war gestern bis in die späten Nachmittagsstunden dicht. Der Grund: Es mussten jede Menge Müll eingesammelt und drei kaputte Autos von der Fahrbahn geschafft werden. Ampeln regelten den Verkehr auf der Einbahnstraßen-Strecke.
Im Morgengrauen gegen 5.25 Uhr war der Lkw der Berliner Stadtreinigung auf dem Weg von Berlin nach Hennigsdorf. Ein aus der Waldmeisterstraße kommender Pkw Peugeot bog nach rechts in Richtung Berlin auf die Spandauer Landstraße ein und stieß mit dem entgegenkommenden Müllauto zusammen. Daraufhin rammte der Mülllaster noch drei Bäume und kippte samt Anhänger um. Dieser blockierte dann die Straße komplett. Und der beteiligte Pkw Peugeot beschädigte anschließend noch einen Audi erheblich. Alle drei Fahrzeuge rollten keinen Meter mehr.
Die Fahrer des Lkw und des Peugeot wurden leicht verletzt im Hennigsdorfer Krankenhaus ambulant behandelt.
Der Lkw der Berliner Stadtreinigungsbetriebe war so heillos zertrümmert, dass er an Ort und Stelle von Mitarbeitern des Unternehmens mit dem Schweißbrenner zerlegt wurde. Die Ermittlungen zur Unfallursache dauern an.
Die Mitglieder der Bürgerinitiative BON, so in einer gestrigen Pressemitteilung, sind aber bereits überzeugt davon, dass der Unfall bei Tempo 30, gemäß ihrer Forderung für den Durchgangsverkehr in Nieder Neuendorf, nicht passiert wäre.
Sie fordern die Kommunalpolitiker energisch auf, endlieh die Geschwindigkeitsbeschränkung anzuordnen und Lkw-Durchfahrten durch verkehrslenkende Maßnahmen zu minimieren. 'w/tn

Oranienburger Generalanzeiger • Freitag, 3. Mai 2002:

Stadt mit Klagen gedroht

Rechtsanwalt erwartet Alternativplanungen für Ortsumgehung von Nieder Neuendorf
Von Dietmar Stork
HENNIGSDORF Sollte das Straßenbauamt Strausberg die Ortsumgehung von Nieder Neuendorf wie geplant bauen, drohen der Stadt Hennigsdorf Schadensersatzklagen. Das kündigt der Rechtsanwalt Dr. Remo Klinger an, der die dortige Bürgerinitiative vertritt.
Der Rechtsanwalt aus dem Berliner Büro Dr. Reiner Geulen, das unter anderem auch für die Gegner des Wittstocker Bombodroms arbeitet, hält die bisherigen Planungen "für evident rechtswidrig" - insbesondere, weil es bisher nur eine Trasse gibt, Alternativen seien dagegen nicht untersucht worden. "Da hat sich jemand seine Wunschtrasse überlegt und dann einen Planer sie umsetzen lassen", so Klinger.
Der jetzige Plan hat nach Ansicht des Rechtsanwaltes "katrastrophale Auswirkungen" sowohl für die Anwohner als auch für die Natur. Nach Schätzungen der Bürgerinitiative sind rund 250 Anwohner von dem Lärm betroffen, der durch die neue Umgehungsstraße entstehe. "Werden überhaupt mehr Anwohner entlastet als durch die neue Straße belastet?", fragt Klinger. "Die momentane Variante ist die sinnloseste."
Darüber hinaus weist er auf ein von der EU geschütztes Gebiet sowie ein daran angrenzendes Landschaftsschutzgebiet hin, durch die die Straße führen solle. "Da ist eine Verträglichkeitsprüfung notwendig, und die dürfte ein negatives Ergebnis haben", prophezeit der Rechtsanwalt.
Klinger nennt für die Straße mindestens drei Alternativvorschläge:
Die so genannte "Null-Variante":
Das bedeutet, dass es überhaupt keine Umgehung von Nieder Neuendorf gibt. Stattdessen müssten Lärmschutzmaßnahmen auf der jetzigen Dorfstraße her, wie es auch die Bürgerinitiative bei ihrer Demo am vergangenen Sonnabend gefordert hatte - also eine "Tempo 30"-Zone sowie ein Durchfahrtsverbot für Lkw in der Nacht (wir berichteten). "Wenn die Ortsumgehung nichts bringt, warum wird sie dann überhaupt gebraucht?", so Klinger.
Die große Ortsumfahrung:
"Warum soll es nur eine Umgehungsstraße für Nieder Neuendorf geben? Warum nicht gleich eine Umgehung für ganz Hennigsdorf?", fragt der Rechtsanwalt. Diese Variante würde die alte Idee von einer Umgehung für Bötzow und Velten aufnehmen, sie resultiert aus der Überlegung,
dass die Spandauer, die durch Nieder Neuendorf fahren, selten nach Hennigsdorf wollen, sondern vor allem zur Autobahn. Ob sich diese These anhand von Zahlen bestätigen lässt, müsste allerdings das Straßenbauamt Strausberg untersuchen.
Die kleine Ortsumfahrung:
Diese Möglichkeit hält Klinger für die schlechteste von allen Alternativvorschlägen. Danach würde die Straße schlichtweg so weit wie möglich nach Westen an den Waldrand verschoben. "Das macht bei den Lärmimmissionen schon einen erheblichen Unterschied", so der Rechtsanwalt. Grundsätzlich bliebe aber die Belastung für die Anwohner bestehen, und auch die Aspekte des Naturschutzes würden bei dieser Variante nicht berücksichtigt.
Bislang aber habe das Straßenbauamt nicht eine der drei Möglichkeiten untersucht - nur für die Variante, die die Behörde im vergangenen Jahr im Hennigsdorfer Bauausschuss vorgestellt habe, gebe es überhaupt einen Entwurf. Und genau das mache die Planungen rechtswidrig: Die Behörden seien angehalten dazu, Alternativen zu untersuchen, um diejenige herauszufinden, die in einem Vergleich von Kosten, Nutzen und Belastungen die günstigste sei. Deshalb ist Klinger auch davon überzeugt, dass es ein Leichtes sei, das Vorhaben auf dem Rechtsweg zu stoppen.
Aber dazu muss es nicht unbedingt kommen: Der Rechtsanwalt sieht es als Vorteil an, dass sich die Bürgerinitiative schon zu diesem frühen Stadium gebildet habe, wo es eigentlich nur erste Entwürfe gebe. "Wir sind nicht kurz vor Ablauf der Einspruchsfrist, und das Straßenbauamt ist vielleicht noch gewillt, mit uns gemeinsam eine Lösung zu finden", hofft Klinger.
Für den Fall aber, dass die Straße wirklich gebaut werden würde, könnte das die Stadt teuer zu stehen kommen. Seine Mandanten hätten ihre Häuser gekauft, ohne dass sie darauf hingewiesen worden seien, dass bereits 1994 ein Raumordnungsverfahren für die Umgehung eingeleitet worden sei. Deshalb könnten sie nach Überzeugung Klingers Schadensersatzansprüche geltend machen - entweder gegen das Bauunternehmen oder über die Hennigsdorfer Gesellschaft für Stadtentwicklung als Projektentwicklerin gegen die Verwaltung. "Das werden wir noch prüfen."

Märkische Allgemeine • Montag, 29. April 2002:

Lautstarker Protest

Demo gegen die für Hennigsdorf geplante Umgehungsstraße
HENNIGSDORF • „Willkommen in der Notaufnahme", „Kita Biberburg an der Schnellstraße?", „Ortsumgehung sparen, Tempo 30 fahren" - mit Transparenten und gellenden Pfiffen marschierten am Sonnabendnachmittag Mitglieder der Nieder Neuendorfer Bürgerinitiative gegen die geplante Ortsumgehung mit Sympathisanten durch den Ort. Rund 100 Meter lang war der Demonstrationszug, an dem sich auch von den Planungen betroffene Anwohner aus Hennigsdorfer Kleinngartensiedlungen beteiligten.
Den am vergangenen Mittwoch bundesweit ausgerufenen „Tag gegen den Lärm" hatten sich die Aktiven der Bürgerinitiative zum Anlass genommen, mit einer Demo auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Die bereits Anfang der 90er Jahre angeregte
Schnellstraße soll nach bisherigen Plänen westlich an Nieder Neuendorf vorbeiführen.
„Bislang wären 250 Haushalte direkt von der Lärmbelastung betroffen", weiß Klaus Habeck, Pressesprecher der Bürgerinitiative. Weitere Wohngebiete werden ab dem kommenden Jahr am westlichen Ortsrand - und damit nahe der vorgesehenen Umgehungsstraße - entstehen. Auch müssten Kleingartenahlagen dem Neubau weichen. Im Juni soll die Vorplanung zur Ortsumgehungsstraße ausgelegt werden.
Bereits jetzt sorgt die Verbindungsstraße von Hennigsdorf nach Berlin-Spandau für Unmut unter den Anwohnern. Sofortmaßnahmen wie die Einführung von Tempo 30 und ein Nachtfahrverbot für den Schwerlastverkehr werden gefordert.     • kg

Oranienburger Generalanzeiger • Montag, 29. April 2002:

Alternative: Tempolimit

Nieder Neuendorfer befürchten noch größere Lärmstörung durch Umgehungsstraße
HENN1GSDORF (col) • „Brummis raus" stand auf den Plakaten der Demonstranten. Die Bürgerinitiative gegen die Ortsumgehung Nieder Neuendorf (BON) rief zum Kampf gegen den Lärm auf. Am bundesweiten „Tag des Lärms" gingen Anwohner Nieder Neuendorfs auf die Straße.
„Wir protestieren auf allen Vieren, denn wir wissen, die Straße ist beschissen", sangen Kinder sehr deutlich. Mit Verbänden um den Kopf und Wunden angemalt, demonstrierten sie mit. Auf ihren T-Shirts stand geschrieben: „Es dankt die Notaufnahme! Im Wald spielen!"
Rund 300 Menschen kamen nach Veranstalterangaben am Sonnabend zum Parkplatz der Badestelle in Nieder Neuendorf. Mit Plakaten und Transparenten setzten sie sich in Bewegung, um gemeinsam gegen den Lärm der geplanten Umgehungsstraße 172n anzugehen. Die Straße, auf der eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern gelten soll, soll westlich von Nieder Neuendorf entlang führen und die Ortsdurchfahrt entlasten.
Stefanie Jahn von der Bürgerinitiative gegen die Ortsumgehung Nieder Neuendorf, die Leiterin der Veranstaltung, eröffnete die Demo mit einer kurzen Rede. Sie forderte: „Wir wollen eine Tempo-30-Zone für die Ortsdurchfahrt und ein Lkw-Nachtfahrverbot". Nur so könne der
Lärm verringert werden. Ansonsten seien fast 250 Haushalte vom Lärm betroffen. Besonders schlimm sei es, wenn die Lkw auch die Dorfstraße weiter wie bisher nutzen dürften.
Von der Polizei abgesichert zogen die Demonstranten die Dorfstraße zum Oberjägerweg/Ecke Waldmeisterstraße entlang und sorgten dabei für einige Staus. Die Polizei sperrte für diese Zeit die Dorfstraße und die Zugänge der Nebenstraßen ab.
„Wir wollen auf unsere Sorgen aufmerksam machen", so Klaus Habeck, Pressesprecher der BON. „Wenn die Umgehungsstraße gebaut wird, dann würden wir wie in einer Umklammerung wohnen".
Die Initiative fordert eine Entlastung der Dorfstraße. „Wir hatten schon Gespräche mit Detlef Ziesel, dem Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung, und mit der CDU in Hennigsdorf", so Klaus Habeck, der auch Anwohner in Nieder Neuendorf ist. Aber auch mit anderen Fraktionen will Habeck noch ins Gespräch kommen. Der Verein zählt momentan 150 Mitglieder. „Wir würden auch gern Kontakte nach Spandau haben, denn die dortigen Anwohner sind ebenso betroffen", sagt Klaus Habeck.
Trotz des schlechtem Wetters waren die Organisatoren mit der Beteiligung zufrieden. Im Anschluss gab es für Interessierte Prospekte.

Oranienburger Generalanzeiger • Montag, 29. April 2002:

Natur statt Schnellstraße

Auch Spandauer fühlen sich gestört
HENNIGSDORF (col) • „Ich bin gegen die Verschandelung der Natur", so Tina Bresin, die am Sonnabend bei Demo dabei war. Durch eine Umgehungsstraße würde es nur noch wenige Zugänge zum Wald geben. „Die Leute werden hierhergelockt, weil es viele Wiesen und einen großen Wald gibt. Und dann soll eine Schnellstraße gebaut werden", beschwert sich die Anwohnerin. „Eine Zone mit Tempo 50 wäre auf der Umgehungsstraße nicht ganz so schlimm, aber bei 80 Stundenkilometern wird es doch sehr laut sein", sagt Antja Zerbe, eine weitere Demonstrantin.
Auch Gerda Laska, Anwohnerin der Neuendorfer Straße in Berlin-Spandau, fühlt sich belästigt. „Ich bin betroffen, daher bin ich hier", meint sie.
„Die Schränke klappern, wenn die Lkw vorbeifahren. In unserer Wohnung sind Risse in den Wänden."
Für sich und die Nachbarn, denen es ähnlich geht, hat sie sich beim Polizeipräsidium in Spandau eingesetzt und Unterschriften gesammelt. „Wir wollen eine Tempo-30-Zone", fordert sie auch in ihrer Straße. „Die Polizei macht dort Geschwindigkeitsüberprüfungen, aber hält eine geringe Geschwindigkeitsbegrenzung nicht für notwendig. Früher sind dort Pferdewagen entlang gefahren. Die Straße zwischen Hennigsdorf und Spandau wurde gemacht, aber dieser Teil nicht mehr. Sie ist einfach nicht für Lkw ausgelegt", so die Anwohnerin. Obwohl sie ihr Ziel noch nicht erreicht hat, will sie nicht aufgeben.